Schuhmacher

Ein Handwerk aus der Leder und Textil Branche

Entwicklung des Schuhmacher-Handwerks

Die Schuhmacher als lederverarbeitendes Handwerk waren noch im Spätmittelalter auch für die Lederherstellung (lohgares Leder) zuständig. Bis ins 14. Jahrhundert waren sie vielfach mit den übrigen lederherstellenden und -verarbeitenden Gewerben in einer gemeinsamen Zunft zusammengeschlossen. Im 15. Jahrhundert setzte ein Differenzierungsprozess ein, der die Schumacher auf die Herstellung des Leders zum Eigenbedarf einschränkte. Es bildete sich die Zunft der Schuhmacher Ab dem 19. Jahrhundert spielte der Konfektionsbereich die wichtigste Rolle für die Ausdehnung der Schuhproduktion. Einzelne Arbeitsschritte, wie das Zuschneiden wurden in der zentralen Werkstatt vorgenommen, während die verlegten Stückmeister, Logisarbeiter oder Sitzgesellen die übrigen Arbeiten ausführten. So vollzog sich durch das Verlagswesen ein Dequalifizierungsprozess, der bis zum Ende des 19. Jahrhunderts weite Teile des Handwerks erfasst hatte. Zwischen dem Konfektionsbetrieb und dem Alleinmeister stand der traditionelle kleine Werkstattmeister mit ein oder zwei Gesellen, der für private Kunden arbeitete. Sein Anteil nahm im Lauf des 19. Jahrhunderts stetig ab. Fabrikschuhe wurden seit den 1870er Jahren durch den entstehenden Detailhandel und Schuhgeschäfte abgesetzt. Die Einführung eines einheitlichen Maßsystems begünstigte diesen Prozess.

Tätigkeiten eines Schuhmachers

Da die Produktion bis in die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts ausschließlich kleinbetrieblich organisiert war, konnten kaum mehr als zwei bis drei „Stühle“ pro Werkstatt besetzt werden. Bei den Lehrjungen setzte sich eine dreijährige Lehrzeit durch, ohne Lehrgeld wurden vier Jahre verlangt. Lehrjungen verrichteten meist die Flickarbeit und trugen Schuhe aus. Junge Gesellen, die noch nicht die Leistung eines Gesellen erbrachten, wurden als „Lohnjungen“ beschäftigt. Bereits Ende des 17. Jahrhunderts wurde in verschiedenen Städten der Wochenlohn weitgehend durch Stücklohn ersetzt, der sich dann weiter verbreitete und bis Ende des 19. Jahrhunderts die dominante Lohnform blieb. In den mittleren und größeren Betrieben erhielten nur sogenannte Wochen- und Mittelgesellen, die die Reparaturen vornahmen, Zeitlohn. Bis ins 18. Jahrhundert wurden als Lohnzulage auch die Viertel- oder Halbjahresschuhe (bzw. das dafür notwendige Leder) gewährt. Das Arbeitsverhältnis war in einigen Städten auf drei, in anderen auf sechs bzw. zwölf Monate festgelegt. Als „Wanderziel“ galten dementsprechend ein, zwei oder vier Stationen im Verlauf eines Jahres. Wandernde Schuhmachergesellen konnten sich aufgrund der weiten Verbreitung des Handwerks in einem dichten Netz bewegen. Der geforderten dreijährigen Wanderschaft folgte bis ins frühe 19. Jahrhundert noch die sogenannte Mut- oder Ersitzzeit, die der Geselle bei einem oder höchstens zwei Meistern ableisten musste, bevor er zum Meisterstück zugelassen wurde.

Der Arbeitsprozess der Schuhherstellung war vergleichsweise einfach zu erlernen und mit wenigen, preiswerten Werkzeugen durchzuführen. Er beginnt mit dem Zuschneiden des Oberleders mittels eines scharfen Messers auf dem Schneidebrett aus weichem, glatten Lindenholz. Nach dem Zusammennähen von Vorderteil, Hinterteil und Futter wurde die Brandsohle auf den Leisten geheftet und der Schaft mit Hilfe einer Falzzange über den Leisten gespannt. Dem „Zwicken“ folgte das „Einstechen“ des Schuhs, wobei Brandsohle und Oberleder zusammengenäht wurden. Danach wurde die Laufsohle durch die Brandsohle genäht, das „Durchnähen“ und anschließend der Absatz an der Brand- und Laufsohle befestigt.

An diesem Arbeitsprozess änderte sich in technologischer Hinsicht bis ins 18. Jahrhundert nichts. Einschneidende Veränderungen kamen erst in den 1830er Jahren aus Amerika. Während zuvor die Sohle an das Oberleder angenäht worden war, wurde nun die Laufsohle mit Holzstiften an die Brandsohle und das Oberleder angenagelt. Dies war eine zeit- und kostensparende Innovation, die einen entscheidenden Impuls zur billigen Massenproduktion gab. 1868 mechanisierte die Schuhpflockmaschine das Besohlen mit Holzstiften. Von den 1850er Jahren an setzte sich, wieder aus Amerika kommend, die Nähmaschine durch. Mit der Nähmaschine konnten vor allem die Schäfte gesteppt werden und auf diesem Hintergrund entwickelten sich Schaftfabriken, die dem Schuhmacher ein Halbfabrikat lieferten. Sohlendurchnähmaschinen und Stanzmaschinen zum Ausschneiden des Bodenleders kamen im Handwerk kaum zum Einsatz, ebenso wie die Rahmeneinstechmaschine, die zum enormen Aufschwung der Schuhindustrie beitrug. Schleifmaschinen und Ausputzmaschinen fanden um 1900 Verbreitung.

Werkzeuge eines Schuhmachers

Quellen
  • Autor: Andreas Grießinger
  • ARD Mediathek, Handwerkskunst
  • Brockhaus Konversationslexikon, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896, Bd. 16, S.1037
  • Lexikon des alten Handwerks, C.H. Beck München
  • Handwerkszeug und bäuerliches Arbeitsgerät in Franken, Verlagsdruckerei Schmidt, Neustadt a.d. Aisch
  • Geschichte des Handwerks, Edition XXL GmbH, Fränkisch-Crumbach, 2019