Entwicklung des Korbflechter-Handwerks
Die Korbflechterei ist unter allen Handwerksberufen wohl derjenige, der die geringsten Ansprüche an besondere Werkzeuge stellt. Und der Rohstoff, die Weidenrute, ist fast überall verfügbar. Man kann daher annehmen, dass das Flechten eine der frühesten Tätigkeiten der Menschheit war. Möglicherweise ist die Korbflechterei noch älter als die Töpferei, es fehlen allerdings die Funde als Nachweis.
In den Fachwerkbauten des Mittelalters diente Korbgeflecht als Gerüst für die Lehmwände im Inneren der Häuser und Ställe. Diese sowie auch einfache Körbe wurden häufig von den Familienmitgliedern hergestellt. In dem Maße, wie in der Korbflechterei immer mehr Kunstfertigkeit entwickelt wurde, stiegen die Ansprüche an die Qualität des Materials. Als Folge konzentrierte sich das Handwerk auf bestimmte Gebiete, in denen besonders gute Wachstumsbedingungen für die Weide herrschten. Das waren vor allem Flusstäler und Niederungen mit feuchten Lehm- und Sandböden. So wurde das Gebiet des oberen Mains ab dem 16. Jahrhundert weithin bekannt für seine Korbmacherei. Gegen Ende des 16. Jahrhunderts entstanden auch die ersten Zünfte. Eine für die Korbflechterei bahnbrechende Erfindung war um 1773 der Weidenhobel. Man konnte jetzt Weidenruten spalten und auf einheitliche Dicken hobeln. Damit war es möglich geworden, neben den bislang groben Geflechten aus runden Weidenruten auch feine, dünne Geflechte und Muster herzustellen. Im Laufe der folgenden 100 Jahre entwickelte sich die Korbmacherei im heutigen Oberfranken zu einem blühenden Gewerbe.

Tätigkeiten eines Korbflechters
Die Weiden, als Grundmaterial der Korbflechterei, bilden eine große Pflanzenfamilie. Insgesamt gibt es rund 500 Weidenarten, von denen 30 in Europa vorkommen. Alle heimischen Weiden sind schnellwüchsige Weichhölzer, die sich untereinander leicht kreuzen lassen. Aus diesem Grund kann man bestimmte Merkmale gut züchten. Für Korbflechterei kommen vor allem drei Weidenarten in Frage, die Salweide, die Silberweide und die Korbweide.
Die Salweide erkennt man am Besten im zeitigen Frühjahr an ihren blühenden Zweigen mit den „Palmkätzchen“. Die Salweide bevorzugt sonnige Standorte und wächst überall dort, wo man der Boden ausreichend feucht und nährstoffreich ist.
Die Silberweide wird sehr groß und kann 30 Meter Höhe erreichen. Ihre leicht olivgrünen Blätter haben einen silbernen Glanz. Als Standort bevorzugt die Silberweide den Halbschatten und Böden, die eher kalkhaltig als sauer sind.
Die Korbweide ist eine kleine Weidenart, aber der wichtigste Rutenlieferant für die Korbflechter. Durch die regelmäßige Ernte der jungen Weidenruten wurden die Korbweiden immer wieder so weit zurückgeschnitten, dass die typischen „Kopfweiden“ entstanden. Solche Kopfweiden findet man sehr häufig an Bach- und Flussufern.
Die begehrten Weiden wurden entweder von wild wachsenden Weiden oder von speziell angebauten Kulturweiden geerntet. Die bessere Rutenqualität lieferten die Kulturweiden. Für die Herstellung von groben Körben schnitt man die Weidenruten mit einem Sichelmesser, der Hippe und ließ die Ruten in ungeschältem Zustand. Für die Weißkorbmacherei mussten geschälte Ruten gewonnen werden. Zum Schälen wurden unterschiedliche Vorrichtungen verwendet, die im Prinzip aber auf die gleiche Art und Weise funktionierten. Eine Weidenrute wurde in eine Art Zange, zum Beispiel in die „Schälklammer“ oder in den „Weidenschäler“ eingeklemmt, sodass die Rute gequetscht wurde und die Rinde platzte. Dann wurde die Rute durch die Schälklammer gezogen, wobei die Rinde abgestreift wurde.
Die ungeschälten Ruten mussten mit dem Putzmesser ausgeputzt, das heißt, von kleinen Seitenästen befreit werden. Die geschälten Ruten für die Weißkorbflechterei sollten schön weiß werden und mussten an der Sonne gebleicht werden. Dazu wurden alle Ruten ausgebreitet, mehrmals täglich gewendet und am Abend wieder eingesammelt. Für die feineren Flechtarbeiten wurden die weißen Ruten gespalten und mit dem Korbmacherhobel auf eine gleichmäßige Stärke gebracht. Bevor das eigentliche Flechten beginnen konnte, mussten die steif getrockneten Weidenruten wieder biegsam gemacht werden. Dazu wurden sie tage- oder wochenlang in eine Wanne mit Wasser gelegt oder als Bündel in einen Bach gehängt. Wenn es schnell gehen musste, wurden die Ruten einige Stunden in heißes Wasser gelegt.

Werkzeuge eines Korbflechters
Quellen
- Autor: Dr. Peter Albrecht
- ARD Mediathek, Handwerkskunst
- Lexikon des alten Handwerks, C.H. Beck München
- Handwerkszeug und bäuerliches Arbeitsgerät in Franken, Verlagsdruckerei Schmidt, Neustadt a.d. Aisch
- Geschichte des Handwerks, Edition XXL GmbH, Fränkisch.Crumbach, 2019

