Schlachter

Ein Handwerk aus der Lebensmittel Branche

Entwicklung des Schlachter-Handwerks

Das Handwerk der Metzger, Knochenhauer, Fleischer oder Fleischhacker hat sich schon früh in allen Städten entwickelt. Es versorgte die Bürger in erster Linie mit frischem Fleisch, daneben auch mit Wurst. Zwar zählte bereits im 14. Jahrhundert konserviertes, also durch Trocknen (Dörrfleisch), Pökeln und/oder Räuchern haltbar gemachtes Fleisch zum Angebot der Metzger, doch ließ sich damit nur ein kleinerer Gewinn erzielen. Ein Export von Fleisch und Wurst entwickelte sich erst seit dem 19. Jahrhundert. Speck und Dörrfleisch wurden allerdings schon früh von Kaufleuten angeboten. Die ersten schriftlichen Erwähnungen von Metzgern in den Städten des deutschen Sprachraums stammen aus dem 12. Jahrhundert.

Der Umfang des Handwerks veränderte sich meist nur langsam, besonders weil die Zahl der Plätze für Fleischscharn (besondere Verkaufsstände) limitiert war. Ein wesentlicher Anstieg der Meisterzahlen vollzog sich erst seit der Mitte des 17. Jahrhunderts, zum Teil auch erst im 19. Jahrhundert.

Von Seiten der Städte wurden Schlachthäuser und Scharn errichtet, um Einfluss auf die Fleischversorgung, die Preise und die Qualität des Fleisches zu nehmen. Die Kontrolle der Steuerabgaben wurde damit auch gewährleistet. Den Landschlächtereien der umliegenden Dörfer wurden größere Freiheiten eingeräumt.

Obwohl das Metzgerhandwerk (Betriebe mit höchstens zwei Gesellen) durchweg als Kleinbetrieb strukturiert war, gab es innerhalb des Handwerks erhebliche Unterschiede, die aus dem hohen Kapitalbedarf zum Vieheinkauf folgten. So war z.B. nicht jeder Meister in der Lage Rinder zu schlachten. Bis zum Ausgang des 19. Jahrhunderts spielte die Fabrikproduktion im Rahmen der Fleischversorgung kaum eine Rolle.

Tätigkeiten eines Schlachters

Die Lehrzeit betrug um 1600 noch ein bis zwei Jahre und wurde im Verlauf der frühen Neuzeit auf drei bis vier Jahre ausgedehnt. Die anschließende Wanderschaft der Gesellen hat sich bei den Metzgern kaum durchgesetzt, da sich der Nachwuchs zum größten Teil aus den Söhnen der Meister rekrutierte. Ergänzend wurden an den Schlachttagen neben den Gesellen auch Tagelöhner (Kuttelknechte) beschäftigt. Vielfach war das Handwerk der Metzger daher ein geschlossenes Handwerk. Als Meisterstück musste ein Rind und ein Schwein, Kalb oder Schaf geschlachtet werden. Dabei sollte der angehende Meister zeigen, dass er das Tier fachgerecht schlachten und zerlegen sowie die Innereien und Nebenprodukte unbeschädigt sichern konnte. Außerdem sollte das lebende Tier im Gewicht richtig geschätzt werden können und die gesundheitliche Überprüfung des Fleisches war ebenfalls durch den Meisteranwärter vorzunehmen.

Mittelalterliche Schlachthäuser wurden am Rande der Stadt an oder sogar über einem Wasserlauf gebaut. Zum Schlachten benötigte man fließendes Wasser. Gleichzeitig konnte man so die Schlachtabfälle beseitigen. Diese Häuser waren im Besitz des Stadtherren, des Rates oder der Metzger. Wo solche Einrichtungen nicht bestanden, erfolgte das Schlachten im Haus des Metzgers. Die Tiere wurden vor dem Schlachten vielfach durch einen Schlag mit der stumpfen Seite des Schlachterbeils auf das Haupt betäubt. Alte Darstellungen zeigen dies für Schweine und Rinder. Kleinvieh wurde durch das Abschlagen des Kopfes oder Durchschneiden des Halses getötet. Das Betäuben wurde erst Ende des 19. Jahrhunderts – auf Drängen von Tierschützern – zur verbindlichen Vorgabe. Für einzelne Arbeiten im Schlachthaus entwickelten sich in verschiedenen Schlachthäusern auch Spezialisten, wie z.B. die Kütter, Kuttler, Wärmstler oder Füßler sowie die Wurstmacher und Wurstmacherinnen. Verkauft wurde das Fleisch im Fleischscharn in den Fleischbänken. Dies waren zum Teil nur einfache Buden auf dem Markt.

Werkzeuge eines Schlachters

Quellen
  • Autor: Carsten Maehnert
  • Brockhaus Konversationslexikon, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896, Bd. 16, S.1037
  • Lexikon des alten Handwerks, C.H. Beck München
  • Handwerkszeug und bäuerliches Arbeitsgerät in Franken, Verlagsdruckerei Schmidt, Neustadt a.d. Aisch
  • Geschichte des Handwerks, Edition XXL GmbH, Fränkisch-Crumbach, 2019