Entwicklung des Maler-Handwerks
Bereits im 13. Jahrhundert traten neben den Bauhütten auch die ersten Malervereinigungen auf, doch als kleines Handwerk schlossen sich die Maler meist mit anderen Handwerken, vor allem den Glasern, zusammen. Eine erste zunftmäßige Organisation der Schilderer wurde bereits 1196 gegründet. Der Arbeitsbereich des Malers war im Spätmittelalter weit verzweigt. Er reichte von Wand- und Deckenmalereien in öffentlichen Gebäuden und Kirchen über die farbige Gestaltung von Fahnen, Wappen und Schildern, Vergoldungen von Uhren und Mobiliar bis zur Fassung von Skulpturen und der Bemalung von Altartafeln. Übliche Berufsbezeichnungen für besondere Sparten waren Staffier- und Fassmalerei, Flach- und Ätzmalerei sowie Glasmalerei.
Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts war die Malerei noch ein ausgesprochenes Stadthandwerk mit kleinbetrieblicher Struktur. 1849 lag die Zahl der Gehilfen noch unter der der Selbstständigen, 1895 war es schließlich umgekehrt. Die Bevölkerungszunahme des 19. Jahrhunderts zog einen gesteigerten Wohnraumbedarf nach sich und brachte einen Aufschwung des Bauhandwerks. Die Zahl der Meister wuchs jedoch stärker als die Bevölkerung. In dieser Zeit stellten die aufkommenden Abziehbilder für Wände und Decken sowie die Verbreitung der Tapeten eine Konkurrenz für die Dekorationsmaler dar. Bis ins erste Drittel des 20. Jahrhunderts waren für Friesbänder Schablonen gebräuchlich, die von einigen Malern selbst ausgeschnitten wurden. Andere Möglichkeiten der Flächenbelebung boten Walzen und Rollen, mit denen man verschiedene Muster und Formen auf die wand übertrug. In den 1930er und 1940er Jahren, als massive Hölzer und Marmor zu kostspielig waren, erlebten die Imitationstechniken eine Blütezeit. Die Entwicklung im Werkstoffbereich ging rapide voran. Dispersionsfarben ersetzten Leimfarben, Kunstharzlacke verdrängten Naturharzlacke.

Tätigkeiten eines Malers
Bis 1440 dauerte die Lehre in Köln vier Jahre, in Leipzig waren 1577 sechs bis sieben Jahre abzuleisten. Das Gesellenstück bestand in Hamburg im 17. und 18. Jahrhundert aus einer figürlichen Rötelzeichnung, gefertigt nach Gipsmodellen und Kupferstichvorlagen. Proportionsstudien und Übungen von Faltentwurf an Gewändern erinnern an Anforderungen, wie sie die Kunstakademie stellte. Als Meisterstück wurde im 15. und 16. Jahrhundert ein Tafelbild gefordert, dessen Hintergrund mit Gold anzulegen war. Oft mussten die Maler eine zweite Arbeit abliefern, z. B. ein gefasstes Kruzifix.
Die Arbeit der Wismutmaler bestand darin, Gegenstände mit Kreide oder Ton zu grundieren, diese dann mit einem Polierstahl zu glätten und anschließend mit lasierenden Lackfarben zu bemalen. Behang- oder Stubenmaler waren sogenannte Leinfarbenmaler. Sie durften weder Portraits noch Tafelbilder malen und keine Ölfarbe benutzen. Der einfache Außenanstrich der Häuser mit Kalk- oder Leimfarbe oblag dem Tüchner (auch Weißer, Weißmaler, Weißbinder und Anstreicher genannt). Die ornamentale und figürliche Darstellung, das Malen von Füllwerk und Scheinarchitektur sowie dekorative Fenster- und Türumrahmungen wurden von Malern ausgeführt.
In vielen Malerordnungen wurde darauf hingewiesen, dass die Farben von eigener Hand zuzubereiten waren. Der Einkauf des Materials geschah bei ortsansässigen Händlern und unterlag der Aufsicht der Zunft. Aufgrund der recht kostspieligen Farben und des benötigten Goldes mussten Maler über ein erhebliches Betriebsmaterial verfügen. Bis ins 18. Jahrhundert war der Malermeister im Wesentlichen sein eigener Farbenproduzent. Die verwendeten Trockenpigmente waren die Erdfarben Ocker, Umbra, Englisch Rot, Terra di Siena und Kasseler Braun. Als Löse- und Bindemittel dienten planzliche Öle, vor allem Lein- und Nußöl, aber auch Kalk, Wachs und tierische Leime. Das Anmischen der Farbe geschah auf einer Steinplatte mit einem konischen Glasreiber (Läufer). Da das Anreiben der Farben mit allerhand Zeitaufwand verbunden war, wurde oft neben dem Gesellen noch ein Farbenreiber beschäftigt. Im 19. Jahrhundert benutzte man für die Herstellung größerer Mengen von Farben und Lackpasten die Trichtermühle, die mit der Handkurbel an einem Schwungrad betrieben wurde. Dies war eine Arbeit, die oft vom Lehrling im Winter, der auftragsschwachen Zeit, ausgeführt wurde. Im 18. und 19. Jahrhundert entstanden immer mehr Farben- und Lackfabriken, die zum Teil aus Malerbetrieben hervorgegangen waren. Pariserblau gab es ab 1710, Bleiweiß wurde 1759 erstmals fabrikmäßig hergestellt, Zinkweiß ab 1786, Kobaltblau und -grün wurden 1795 entdeckt, als Fabrikationsprodukt waren sie ab 1823 im Handel. Künstliches Ultramarinblau ersetzte 1828 das alte, teure, aus dem Lapis lazuli gewonnene. Zahlreiche Farben enthielten gesundheitsschädliche Bestandteile, wie Arsen und Blei.

Werkzeuge eines Malers
Quellen
- Autor: Hanna Plutat-Zeiner
- ARD Mediathek, Handwerkskunst
- Brockhaus Konversationslexikon, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896, Bd. 16, S.1037
- Lexikon des alten Handwerks, C.H. Beck München
- Handwerkszeug und bäuerliches Arbeitsgerät in Franken, Verlagsdruckerei Schmidt, Neustadt a.d. Aisch

