Entwicklung des Sattler-Handwerks
Die Geschichte des Sattlerhandwerks ist geprägt von vielen Berufsspaltungen und wechselvollen Anpassungen an die jeweiligen Bedürfnisse. In der Phase der zünftischen Konstituierung des Handwerks bestand eine enge Verwandtschaft zu den Schildermachern, mit denen sie im 14.Jahrhundert oftmals in einer Zunft zusammengefasst waren. Doch die Schildermacher hatten durch die Erfindung der Feuerwaffen keine große Zukunft. Dies führte zu einem Aufschwung bei den Sattlern. Neben dem Handwerk der Sattler entwickelte sich im 14. Jahrhundert das der Riemer zu einem ebenbürtigen Gewerbe. Im Allgemeinen grenzten sich die Arbeitsgebiete zwischen Sattler und Riemer so ab, dass der Sattler eben Sättel anfertigte, der Riemer das Zaumzeug, das heißt Gurte und Riemen.
Die Verarbeitung von Leder bot vielen Handwerkern Arbeit, machte aber auch die Abgrenzung der Arbeitsbereiche zwischen den verwandten Berufen notwendig. So z.B. zwischen den Beutlern und Nestlern, wobei die Nestler die Beutel nur aus Lederstreifen herstellen durfte und als Lederfärber tätig waren. Die Täschner durften ihre Produkte im Gegensatz zu den eben genannten mit metallenen Ringen und Schlössern versehen. Die Gürtler, deren erste Zünfte am Ende des 13. Jahrhunderts entstanden, wandelten sich sehr schnell zu einem metallverarbeitenden Gewerbe. In der Praxis hatten die Sattler gegenüber den Riemern den Vorteil, dass sie neben der schwierigen Arbeit des Sattelmachens auch das Riemerhandwerk beherrschten, umgekehrt scheiterten die Riemer am Sattel. Das Sattler- und Riemerhandwerk erfuhr stets starke Konkurrenz durch Landhandwerker.
Die Ansprüche der Sattler auf das Privileg zur Ausführung bestimmter Arbeiten wurde durch das Aufkommen neuer Tätigkeitsbereiche nicht geringer. Insbesondere das Sattlerhandwerk war enormen Wandlungen unterworfen. Mit dem Rückgang einer spezialisierten Tätigkeit ergaben sich immer wieder neuartige Betätigungsfelder. Im 17. und 18. Jahrhundert begann das Beschlagen (Polstern) von Stühlen und Sesseln. Der vermehrte Kutschwagenbau und schließlich die Herstellung von Koffern und Reisetaschen sind hier ebenfalls zu nennen.

Tätigkeiten eines Sattlers
Bei den Sattlern waren meist drei, bei den Riemern vier Lehrjahre üblich. Es scheint, als ob sich im Sattlerhandwerk gegen alle Konkurrenz der verwandten Berufe geradezu eine innere Einheit herausgebildet hat. Hatte ein Lehrjunge ausgelernt, durfte der Meister in den nächsten drei Jahren keinen neuen Lehrling einstellen. Dies war ein Mittel, die Beschäftigtenzahl und damit die Zahl der Meister niedrig zu halten.
Der Werkstoff der Sattler und Riemer war das Leder in verschiedenen Zubereitungsarten. Im Allgemeinen benutzten sie zu Kutsch- und Arbeitsgeschirren und dem Riemenzeug das schwarze (mitunter auch das ungeschwärzte braune) lohgare Geschirrleder aus Ochsen- bzw. Rindshäuten. Auch weißgares Rindsleder (Alaunleder) wurde zu Arbeitsgeschirren verwandt, mehr aber zu Halftern. Ebenso konnte auch lohgares Roßleder das Ausgangsmaterial für Arbeitskummete sein und bei luxuriösen Ansprüchen erhielt der Sattel einen Überzug aus Schweinsleder.
Die Zubereitung bzw. Gerbung des Rohmaterials Leder besorgten die Sattler und Riemer meist selbst. Sie deckten ihren Bedarf an Häuten direkt beim Schlachter oder Metzger auf dem lokalen Markt. Die Verwendung örtlicher Rohmaterialien war überdies häufig mit Rücksicht auf die einheimischen Gerber vorgeschrieben.
Die wichtigsten Werkzeuge der Sattler und Riemer waren Nähzeug (Ahlen und Nadeln) und Schneidewerkzeuge, wobei insbesondere die Sattlermonde (annähernd vergleichbar mit einem Wiegemesser, allerdings nur mit einem Griff), Locheisen, Reifelhölzer zum Einprägen von Zierlinien und Kummetstöcke (sich nach oben verjüngende Säulen mit ovalem Querschnitt) als Modell für Pferdehälse zu nennen sind. Besonderheiten waren Nähkolben (Sattlerross und Sattlerzange) als Hilfsgeräte zum Nähen. Mit ihnen wurden die Werkstücke festgeklemmt, so dass beide Hände zum Nähen frei blieben. Eine einschneidende Veränderung kam erst durch die Verbreitung der Nähmaschine in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts.

Werkzeuge eines Sattlers
Quellen
- Autor: Otto Kettemann
- ARD Mediathek, Handwerkskunst
- Brockhaus Konversationslexikon, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896, Bd. 16, S.1037
- Lexikon des alten Handwerks, C.H. Beck München
- Geschichte des Handwerks, Edition XXL GmbH, Fränkisch-Crumbach, 2019

