Entwicklung des Drechsler-Handwerks
Das Drechslerhandwerk ist seit dem klassischen Altertum bekannt. Der früheste Hinweis für die Existenz des Drechslerhandwerks im mittelalterlichen Europa ist um das Jahr 800 den „Capitulare de villis“ zu entnehmen, in denen berufsmäßig ausgeübte Handwerke aufgelistet sind. Der älteste Beleg für zunftmäßige Organisation wird um das Jahr 1180 datiert. Bis ins 16. Jahrhundert ist nicht von einer Trennung in Holz-, Bein- und Horndrechsler sowie Metalldrechsler auszugehen, allerdings vollzog sich im 15. und 16. Jahrhundert ein Differenzierungsprozess. Die übergreifenden Handwerksordnungen regelten auch die Abgrenzung zu verwandten Berufen wie Zimmerleuten und Tischlern. Bis ins 14. Jahrhundert oblag den Drechslern die Anfertigung des einfachen Mobiliars, bis in die Neuzeit hinein die der einfachen Gegenstände des häuslichen Bedarfs. Erst in der Renaissance entwickelte sich in Aristokratie und Großbürgertum ein neuer Lebensstil, der auch durch Produkte der Drechsler befriedigt wurde (Utensilien für Tabackgenuß, Gesellschaftsspiele, Spinnrad, usw.). Aus dem Jahr 1589 ist ein reichhaltiger Katalog von Gegenständen überliefert, der die Produktionsvielfalt des frühneuzeitlichen Drechslerhandwerks charakterisiert. Hier waren z.B. Futterale für Gold- und Glasgeschirr, Kredenzscheiben, Teller, Becher, Schüsseln, Gewürzbüchsen, Leuchter, Spinnräder, Rocken und Haspeln, Kugeln und Kegel, Säulen, Knöpfe, Kleiderhaken, Handtuchhölzer, Stühle und Schemel, Röhren, Faßhähne, Pfeifen und Musikinstrumente, Modelle für Rotschmiede, Säulen und Drehteile für Schreiner und Stiele für Handwerksgeräte aufgeführt.
Im Zeitalter des Barock entwickelte sich aus der Holzdrechslerei eine eigenständige Kunstdrechslerei, die nunmehr kostbare Materialien wie Horn, Bein, Elfenbein, Perlmutt, Schildpatt und exotische Edelhölzer sowie auch Edelmetalle verarbeiteten. Zur Mitte des 18. Jahrhunderts nahm das Interesse an diesen Erzeugnissen wieder ab. Im 19. Jahrhundert verlor das Drechslerhandwerk im Zuge der Industriealisierung und der fabrikmäßigen Produktion sowie der ungünstigen Stilentwicklung des Möbels zunehmend an Bedeutung. Sowohl für den städtischen Bereich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts als auch in den ländlichen Regionen zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren Klein- und Alleinbetriebe kennzeichnend.

Tätigkeiten eines Drechslers
Das Drechslerhandwerk ist ein technisches Handwerk. Der Gebrauch des „Fideldrehstuhls“ ist seit dem klassischen Altertum bekannt und war bis in das 14. und 15. Jahrhundert gebräuchlich. Die Erfindung der „Wipp-Drehbank“ ist für das 13. Jahrhundert zu datieren und bedeutete einen enormen Fortschritt. Die Wipp-Drehbank, die zwar keine kontinuierlichen Arbeitsgänge ermöglichte, war bis ins frühe 19. Jahrhundert in ländlichen Regionen gebräuchlich, obwohl bereits durch Leonardo da Vinci das Prinzip einer Fußdrehbank mit gekröpfter Welle erfunden war. Neben den „Passig-Drehbänken“ wurden Fußdrehbänke mittels Kurbel-, Tritt- und Schwungrad entwickelt. Seit dem 16. Jahrhundert ist die Nutzung der Wasserkraft als Antriebstechnik belegt. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts setzte sich in der Holzdrechselei die Fußdrehbank mit Kurbel und Schwungrad durch.
Die elementaren Werkzeuge des Drechslers sind Drehröhre und Drehmeißel. Gröbere und feinere Formen sind zu unterscheiden. Darüber hinaus wurden verschiedene Dreheisen benötigt sowie die Palette gängiger Bohrwerkzeuge, grobe und feine Meßwerkzeuge sowie eine Reihe von Hilfswerkzeugen und Einrichtungen für die Drehbank.
Der Arbeitsprozess begann mit der Auswahl der geeigneten Rohmaterialien. Das Holz wurde zugerichtet, für die weitere Verarbeitung eingemessen und auf der Drehbank eingespannt. Das routierende Holz wurde zunächst grob abgedreht, dann mit feineren Werkzeugen bearbeitet und ausgeformt. Abschließend wurde die Oberfläche behandelt.
Bevorzugte Holzarten waren seit dem Mittelalter Birke, Linde, Pflaume, Apfel, Nuß, Tanne, Kiefer, Buchsbaum und Eiche. Seit der Renaissance wurden vermehrt auch exotische Edelhölzer, wie Ebenholz und Rosenholz, verwandt. Kostbare Gegenstände wurden auch aus anderen Werkstoffen, wie Elfenbein, Bernstein, Schildplatt, etc., gedrechselt.
In den ländlichen Regionen entwickelte sich auch der dem Drechsler verwandte Spinnradmacher.

Werkzeuge eines Drechslers
Quellen
- Autor: Volker Rodekamp
- ARD Mediathek, Handwerkskunst
- Brockhaus Konversationslexikon, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896, Bd. 16, S.1037
- Lexikon des alten Handwerks, C.H. Beck München
- Handwerkszeug und bäuerliches Arbeitsgerät in Franken, Verlagsdruckerei Schmidt, Neustadt a.d. Aisch
- Geschichte des Handwerks, Edition XXL GmbH, Fränkisch-Crumbach, 2019

