Entwicklung des Buchdrucker-Handwerks
Mit Buchdrucker bezeichnet man bis in unsere Zeit einen der seltenen handwerklichen Berufe, der durch die Erfindung eines einzigen Mannes entstanden ist. Nach langen Diskussionen steht heute fest, dass diese Technik um 1450 von Johannes Gutenberg in Mainz entwickelt und im Jahr 1455 mit der Fertigstellung der zweibändigen lateinischen Bibel zu einem ersten Höhepunkt gebracht wurde. Gutenbergs Absicht war es, Text ohne die zeitraubenden Mühen des Abschreibens und ohne die damit verbundenen Fehlerquellen zu vervielfältigen. Seine Idee, die verschiedenen Buchstaben aus Metall mit seitenverkehrtem, erhabenem Bild zu formen, war dafür die grundlegende Voraussetzung. Was man heute allgemein „die Erfindung Gutenbergs“ nennt, zeigt sich bei näherer Betrachtung als ein ganzes System von Erfindungen, die sich im Laufe der folgenden Jahrhunderte zu mehreren, heute selbstständigen Berufen entwickelt haben. Der Schriftgießer, der Setzer, der Drucker, der Druckpressenbauer und der Druckfarbenhersteller sind Beispiele dafür. Doch bis zum Ende der Frühdruckzeit (1500) wurden all diese Tätigkeiten von den Buchdruckern ausgeübt.
Bei dem steigenden Bedarf an Büchern und dem damit verbundenen Arbeitsanfall in den Werkstätten war es nur eine Frage der Zeit, wann sich die einzelnen Arbeitsbereiche verselbständigten.
Die Kunst des Buchdrucks verbreitete sich mit erstaunlicher Geschwindigkeit über Deutschland. Eine wichtige Rolle spielten dabei sogenannte Wanderdrucker, die mit ihren Pressen und Schriften den Handelsstraßen folgten.
Durch zünftische Bindung kannte das Buchdruckergewerbe bis zum Ende des 18. Jahrhunderts keinen internen Konkurrenzkampf, der die Existenz einzelner Betriebe bedroht hätte, aber auch nicht den Ehrgeiz zur Rationalisierung der täglichen Arbeit. In 350 Jahren seit Gutenbergs Erfindung gibt es keine wesentlichen technischen Fortschritte. Als Ende der 1860er Jahre die ersten brauchbaren Rotationsmaschinen für den Zeitungsdruck auf den Markt kamen gab es einen deutlichen Schub. Ein weiterer Schritt erfolgte am Ende der 1960er Jahre. Ab hier dominierte der Offsetdruck, der verfahrensbedingt, bei Umdruck und Plattenkopie, fotografische Techniken einsetzte. Hier wird materielos mit Licht und Laser ein Drucksatz hergestellt, sodass die Bleitype der Vergangenheit endgültig unterlegen war.

Tätigkeiten eines Buchdruckers
Nach der langwierigen künstlerischen Gestaltung, die Voraussetzung für das Entstehen jeder Druckschrift ist, beginnen die rein handwerklichen Tätigkeiten des Schriftgießers.
Das Buchstabenbild wird auf die geglättete Oberfläche eines vierkantigen Eisenstäbchens übertragen. Das nichtdruckende Umfeld wird durch Sticheln und Feilen tiefgelegt, bis das Bild selbst frei und erhaben dasteht. Die so erhaltene Patrize wird in ein weiches Metall, meist Kupfer oder eine Kupferlegierung, abgeschlagen und erzeugt die Matrize mit ihrem seitenrichtigen, aber vertieften Bild. Eingespannt in ein recht kompliziertes Gießinstrument entsteht dann durch Eingießen einer erhitzen Bleilegierung die Drucktype. Diese Typen konnten in jeder Menge gegossen werden.
Für den Schriftsetzer begann die Arbeit am „Kasten“, in dessen heute rund 120 Fächern die verschiedenen Buchstaben und Zeichen für den Griff zum Winkelhaken bereitlagen. Seine Aufgabe war es, die Typen entsprechend dem Manuskript aneinanderzureihen, die einzelnen Wortzwischenräume nötigenfalls so zu verändern, dass die Zeilen eine einheitliche Länge erhielten. Seine Arbeit endete mit dem „Ablegen“ der Typen nach dem Druck in die verschiedenen Fächer der Schriftkästen.
Dem Drucker, der bis ins 19. Jahrhundert auch den Bau seiner hölzernen Pressen übernehmen musste, oblag die Arbeit, durch das richtige Zusammenstellen der Seiten in der Druckform, das Ausschießen, durch Zurichten und sauberes Einfärben so viele gleichbleibend gute Abzüge herzustellen, wie die Einschätzung der Absatzchance es verlangte. Der Pressmeister war verantwortlich für das Einrichten der Presse, das Ein- und Auslegen der Bogen sowie die Ausübung des richtigen Druckes.
Der Ballenmeister war für das Anreiben der Farbe und ihren gleichmäßigen Auftrag auf die Form mit dem lederbezogenen Druckerballen verantwortlich. Mit dem Druck der Bogenrückseite war die Arbeit des Druckers beendet und die Werke fanden in Form von gefalzten und buchweise zusammen getragenen Bogen, aber ungebunden, den Weg zum Käufer.

Werkzeuge eines Buchdruckers
Quellen
- Autor: Rolf Stümpel
- Brockhaus Konversationslexikon, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896, Bd. 16, S.1037
- Lexikon des alten Handwerks, C.H. Beck München
- Geschichte des Handwerks, Edition XXL GmbH, Fränkisch-Crumbach, 2019

