Böttcher

Ein Handwerk aus der Holz Branche

Entwicklung des Böttcher-Handwerks

Der ökonomische Aufschwung der europäischen Städte wurde entscheidend durch die Herausbildung überregionaler Handelsverbindungen beeinflusst. Neben den Produktionszentren für bestimmte Waren entstanden Handelszentren für die Ein- und Ausfuhr, allen voran die Niederlassungen der Fernkaufleute in den Hansestädten. Eine nicht unbedeutende Voraussetzung dieses Warenaustausches war sichere Verpackung und Transport der Waren. Erst Tonnen und Fässer machten diesen Austausch möglich. Bis über die Schwelle des 20. Jahrhunderts waren sie universell einsetzbare „Container“ für feste und flüssige Waren aller Art. Dem Böttcher kam deshalb eine große Bedeutung für die Handelsgeschäfte der Kaufleute zu.

Im Böttchergewerbe entstanden seit dem Mittelalter, nach Landschaft und Art der hergestellten Produkte, Bezeichnungen für den Beruf. Zu den bekanntesten Bezeichnungen zählen Faßbinder, Binder, Büttner, Schäffler, Küfer und Kübler. Je nach Art des verwendeten Holzes gab es Weißbinder (Nadelholz), Rotbinder (Buchenholz) und Schwarzbinder (Eichenholz).

Das Böttcherhandwerk nahm gerade in den Hansestädten und den mit dem Handel verbundenen Orten regen Aufschwung. Dort dienten Tonnen und Fässer nicht nur als Verpackung für Wein und Bier, sondern auch für Butter, Tran, Fleisch, Salz und Fisch. Auch andere feste Güter wie Getreide, Erze und sogar Bücher wurden in Tonnen verpackt. Neben der größeren Stabilität war die leichtere Handhabung sicherlich ein großer Vorteil. In den Weinbaugebieten war die Anfertigung von allen, zur Weinlese und -pflege, notwendigen Gerätschaften das wichtigste Betätigungsfeld der Faßbinder. Sie fertigten Kiepen zur Weinlese, Eimer, Kübel und Bottiche für die Kelter und Weinfässer in allen Größen zur Lagerung des Weins.

Die Entwicklung des Böttcherhandwerks nach 1900 war von weitreichenden Veränderungen gekennzeichnet. Geböttcherte Kleingefäße wie Eimer, Kübel, Wannen und Zuber wurden durch industriell gefertigte Zinkblech- und Emailwaren verdrängt. Der Rückgang von Eigenproduktion und Vorratshaltung von Lebensmitteln, zuerst in den Städten und nach 1900 zunehmend auch auf dem Land, verringerte den Bedarf an Behältern. In kleineren Böttcherbetrieben wurde schließlich der Handel mit gebrauchten Fässern zur Einnahmemöglichkeit. Sie wurden von Böttchern aufgekauft, repariert und an neue Abnehmer verkauft.

Tätigkeiten eines Böttchers

Der Arbeitsablauf bei der Herstellung von Böttcherwaren änderte sich über einen langen Zeitraum nur unwesentlich. Bis zur Einführung der Maschinenarbeit blieb das Böttcherhandwerk einer der körperlich anstrengendsten Handwerksberufe, da insbesondere das Biegen der Faßdauben große Kraftanstrengung erforderte.

Die wichtigsten Arbeitsschritte bestanden in der Bearbeitung der einzelnen Dauben, dem Zusammenstellen (Binden) der Daube zur fertigen Faßwand mit Hilfe von hölzernen oder eisernen Reifen, dem Einfügen einer Nut an der Daubenkante und der Anfertigung und dem Einsetzen von Boden und Deckel in die vorbereitete Nut. Die Daube, als einzelnes Teil der Faßwand, wurde durch Bearbeitung mit dem Beil, dem Gerade- oder Krummmesser genau der Gefäßform angepasst. Sie war hierzu in die Schneidebank eingeklemmt. Auf der Innenseite wurde in der Mitte etwas Holz weggenommen, um das anschließende Biegen des Faßrumpfes zu erleichtern. Die Bearbeitung der Daubenkante mußte sorgfältig mit Hilfe von Modeln kontrolliert werden, da das Werkstück sich sonst nicht abbinden ließ. Die genaue Form der Kante wurde auf dem Fügehobel herausgearbeitet.

Die nach dem Auftreiben der ersten Reifen weit abgespreizt stehenden Dauben mußten dann mit Hilfe des Anfeuchtens und Ausfeuerns so geschmeidig gemacht werden, dass sie sich, ohne zu brechen, zusammenziehen ließen. Bei großen oder dickwandigen Gefäßen konnte diese Arbeit nur mit Hilfe einer Faßwinde geleistet werden. An dem fertigen Faßrumpf wurden nun die vorläufig angebrachten Arbeitsreifen gegen die endgültigen Reifen ausgetauscht. Die Reifen wurden mit Hilfe von Setzwerkzeugen (Treibholz, Treibeisen und Setzhammer) auf den Faßrumpf gebracht. Mit verschieden Hobeln wurde danach die Innen- und Außenseite des Fasses bearbeitet.

Auch für den letzten Arbeitsgang, die Anfertigung der Böden, gab es spezielle Handwerkszeuge zum Anreißen und Ausheben der Bodenfuge. Zum Anreißen der Nut für die Faßböden (Kimme, Gargel oder Kröse) wurde der Gargelkamm oder die Schwanzkröse gebraucht; zum Vertiefen diente ein Kimmhobel. In die so geschaffene Öffnung konnte nach dem Lösen des jeweils obersten Reifens das aus mehreren Brettchen zusammengesetzte Bodenbrett eingesetzt werden.

Werkzeuge eines Böttchers

Quellen
  • Autor: Michael Packheiser
  • ARD Mediathek, Handwerkskunst
  • Brockhaus Konversationslexikon, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896, Bd. 16, S.1037
  • Handwerkszeug und bäuerliches Arbeitsgerät in Franken, Verlagsdruckerei Schmidt, Neustadt a.d. Aisch
  • Lexikon des alten Handwerks, C.H. Beck München