Buchbinder

Ein Handwerk aus der Leder und Textil Branche

Entwicklung des Buchbinder-Handwerks

Die Geschichte der Buchbinderei reicht bis in römisch-byzantinische Traditionen zurück und umfasst während des Mittelalters ein vielgestaltiges klösterliches Kunsthandwerk. Die enge Verbindung mit Kirche und Studium verlieh den Buchhandwerkern eine besondere Stellung. Im 14. und 15. Jahrhundert vollzog sich der Übergang von einem Klerikerhandwerk zu einem bürgerlich-zünftigen Beruf, wobei sich die Zahl bedeutender Buchbindereien erst im 15. Jahrhundert vermehrte. Im deutschsprachigen Raum hat erst die Massenproduktion von Büchern mit Hilfe des neuen Druckverfahrens die Entstehung von Buchbinderzünften seit dem 16. Jahrhundert gefördert. Augsburg, Wittenberg, Leipzig, Ulm, Wien, Mainz, Bamberg und Lübeck sind hier besonders zu erwähnen. Eine breitere Zunftentwicklung folgte erst im 16. und 17. Jahrhundert.

Frauen und Kinder spielten innerbetrieblich, zumal bei beschränkter Lehrlings- und Gesellenzahl, eine wichtige Rolle. Sie waren hauptsächlich mit Vorrichtarbeiten betraut, die sie verschiedentlich auch in Kommission für andere Betriebe ausführten.

Tätigkeiten eines Buchbinders

Die Lehrzeit betrug in der Regel zwei bis drei Jahre, in einzelnen Städten auch vier Jahre. Es waren nach den Lehrjahren drei bis fünf Wanderjahre üblich. Vor der Meisterwerdung mußte der Geselle eine Mut-(Warte-)zeit bis zu fünf Jahren ableisten. Die Buchbinder gehörten zu den besonders weit gereisten Handwerkern, die sich zwangsläufig zu den bedeutenden Verlagsorten, Reichs-, Hanse- und Universitätsstädten begeben mussten. Die Eintragung der Gesellen in den Herbergsverzeichnissen wiesen ihren Bildungsstand aus. Sie verfügten nicht nur über eine meist sichere Handschrift, sondern konnten auch durch Kenntnisse in fremden Sprachen beeindrucken.

Die Grundelemente der Handbuchbinderei gliedern sich in folgende Produktionsschritte:
1) das Vorrichten des Buches
2) die Behandlung des Buchblocks (Buchkern)
3) die Gestaltung und Anbringung des Einbandes

Zum Vorrichten (1) gehörte das ein- oder mehrfache Falzen. Die gefalteten Bogen werden kollationiert, d.h. in die richtige Textausrichtung und Seitenfolge gebracht und dann in die Heftlade eingelegt. Dabei handelt es sich um ein Rahmengestell, in dem in der Regel zwei bis fünf Bünde (Bänder, Schnüre) senkrecht aufgespannt sind. Die Bogen reichen mit ihren Rücken an die Bünde heran. Die Heftung bewirkt, dass die einzelnen Lagen miteinander verbunden und gleichzeitig die Bünde durch die Heftfäden umschlungen werden. Dies geschieht dadurch, dass beginnend im Falz der letzten Lage, die einzelnen Lagen aufgeschlagen und mit Heftnadel und Faden durchstoßen und geheftet werden. Bei älteren Büchern sind die Bünde noch als querlaufende Verdickungen auf dem Buchrücken erkennbar.

Die Behandlung des Buchblocks (2) beginnt damit, dass der Buchrücken in eine genau rechtwinklige Form gebracht, mit dünnem Leim bestrichen und einem textilen Gewebe hinterklebt wird. Nach dem Trocknen erfolgt das Beschneiden, das Runden des Buchrückens mit dem Abpreßhammer oder mit der Rundmaschine.

Nachdem der Buchdeckel (3), bestehend aus Vorder- und Hinterdeckel, Einlage und Einbandmaterial, gefertigt wurde, wird dieser mit Titeldruck versehen und gegebenenfalls verziehrt. Schließlich wird der Buchblock in die Decke „einghängt“.
Die Befestigung der Buchdecke kann auf unterschiedliche Weise erfolgen. Eine Möglichkeit ist durch klebende Verbindung mit den Bünden oder durch ein eingeleimtes Textilgewebe (Schrenzrücken), das sich meist unter den Vorsatzblättern der Bücher abzeichnet.

Die Gestaltung des Einbandes ist ein Teil der europäischen Kunstgeschichte.

Werkzeuge eines Buchbinders

Quellen
  • Autor: Rainer S. Elkar
  • ARD Mediathek, Handwerkskunst
  • Brockhaus Konversationslexikon, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896, Bd. 16, S.1037
  • Lexikon des alten Handwerks, C.H. Beck München
  • Geschichte des Handwerks, Edidition XXL GmbH, Fränkisch-Crumbach, 2019