Entwicklung des Fischer-Handwerks
Bereits im 14. / 15. Jahrhundert entwickelten sich die Fischerzünfte analog zu den Zusammenschlüssen anderer Handwerke in einzelnen Städten. Die Mitglieder dieser Zünfte hatten einen Anteil am Fischrecht in den zünftischen Gewässern und konnten ihre gefangenen oder erhandelten Fische auf dem Markt verkaufen. Oft bildeten die Fischer zusammen mit anderen Handwerkern eine Zunft, z.B. mit den Schiffern.
Die Wohnbezirke von Fischern sind vielfach auch heute noch an Straßen- und Quartiernamen zu erkennen. Meist war der Fischmarkt, der im Zentrum der Stadt abgehalten wurde, von den Wohnstätten, die aufgrund der meist niedrigen Einkommen mehr an der Peripherie lagen, getrennt. Der Zugang zum Fischmarkt wurde vom Rat reguliert. Hierbei traten häufig Spannungen auf, da der Rat an einer ausreichenden Fischversorgung interessiert war, die Fischer jedoch fremde Anbieter nicht immer gerne duldeten. Da Fanggründe der örtlichen Fischer nur selten ausreichten, um den Bedarf einer Stadt zu decken, war man auf Fänge aus anderen Regionen angewiesen. Für fremde Fischer standen oft weniger Verkaufstage in der Woche zur Verfügung. Auf dem Fischmarkt selbst wurden die Fische lebendig in Behältern zum Verkauf angeboten. Die Preise wurden allgemein seit dem ausgehenden 16. Jahrhundert vom Rat festgesetzt. Der Verkauf von Kleinfischen durfte nach einem geeichten Hohlmaß, sonst nur nach Gewicht erfolgen. Die Fische unterstanden der Lebensmittelkontrolle durch die zünftischen Fischermeister und durch den vom Rat beauftragten Marktaufseher. Besonders genau wurden die gesalzenen Heringe untersucht und erhielten ein Prüfzeichen von den Fischbeschauern.
Die gesteigerte Nachfrage nach dem Lebensmittel Fisch ließ eine gezielte Produktion des Fisches rentabel werden. Um die Unwägbarkeiten des Fanges in Flussläufen zu reduzieren oder auch um ungenutztes Land wirtschaftlich nutzen zu können, wurden in ganz Deutschland, Teiche angelegt, die im Wesentlichen mit Karpfen besetzt waren.
Neben den zünftisch organisierten Fischern gab es noch eine große Zahl von Fischern, die in Dörfern lebend, den Fischfang als Nebengewerbe betrieben.
Im Zuge der Industrialisierung, die zum einen zwar bessere Arbeitsbedingungen als die Fischerei bot, zum Anderen aber durch Wasserverschmutzung die traditionellen Lebensräume der Fische bedrohte, ging die Anzahl der Fischer seit dem Anfang des 19. Jahrhunderts stark zurück.

Tätigkeiten eines Fischers
Der zwei- bis dreijährigen Lehrzeit folgte noch eine Gesellenzeit von durchschnittlich zwei Jahren. Oft schloss noch eine dreijährige Wanderzeit an. Ein Meisterstück wurde bei den Fischern nur selten gefordert. Jeder Meister durfte in der Regel nur einen Gesellen haben.
Die Technik der Fischerei hing von der Art des Gewässers ab. Die Fischerei mit der Angel war in großen Gewässern, sofern nicht besondere Nutzungen vorlagen, für jeden gestattet. Die feine Angelschnur bei fliegender Angel, wie auch bei der Grundangel, bestand aus geflochtenem Pferdehaar, die grün eingefärbt werden konnten. An diese wurden, mit Vorfächern versehen, ein oder mehrere Angelhaken gebunden. Sowohl natürliche Köder als auch lebende Fische, aber auch künstliche Fischimitationen, waren in Gebrauch. Für die professionelle Fischerei spielte der Einsatz von Garnen und Netzen eine wichtige Rolle. Das festgestrickte Garn wurde von einem oder zwei Schiffen aus um einen Fischschwarm gelegt oder mit zwei starken Leinen durch den Fluss gezogen, wobei sich die Fische in einem sackartigen Trichter verfingen (Zuggarn). Daneben gab es noch eine Vielzahl von Garnen, wie zum Beispiel Flussgarn, Strichgarn oder solche für bestimmte Fischarten.
Eine ebenso große Vielfalt ist bei den Netzen anzutreffen. Netze, die im flachen Wasser eingesetzt wurden (Stell-, Grund- und Bodennetze) und Netze für tieferes Gewässer (Schebnetze). Daneben kamen noch Reusen und Fischfallen zum Einsatz. Neben diesen transportablen Geräten gab es noch feste Fangeinrichtungen. Große Senknetze, die Salmenwagen, feste Holzhäuschen mit Netzen und Fischwehre waren in Gebrauch. Die Maschengröße der Netze wurde zunehmend normiert, damit durch feines Garn nicht untermaßige Fische gefangen wurden. Ebenso wurden in den meisten Regionen Schonzeiten festgelegt.

Werkzeuge eines Fischers
Quellen
- Autor: Peter Lengle
- Brockhaus Konversationslexikon, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896, Bd. 16, S.1037
- Lexikon des alten Handwerks, C.H. Beck München
- Handwerkszeug und bäuerliches Arbeitsgerät in Franken, Verlagsdruckerei Schmidt, Neustadt a.d. Aisch

