Messerschmied

Ein Handwerk aus der Metall Branche

Entwicklung des Messerschmied-Handwerks

Das Handwerk des Schmiedes gehört zu den ältesten Gewerben. Die ersten Schmiede stellten zunächst Werkzeuge her, ganz sicher auch Waffen, noch bevor sie Pflüge und Hufbeschläge fertigten. Als sich die Produktion und auch die Bearbeitung des Eisens in Europa gegenüber der Bronze durchgesetzt hatte, erlangte der Schmied sehr bald eine Vorrangstellung unter den Handwerken. Dies vollzog sich zwischen 1500 und 800 vor Christus, je nach Region. In der Zeit der Völkerwanderung treten die ersten Waffenschmiede des Nordens bereits als Persönlichkeiten mit Namen und Erzeugnissen hervor.

Verhältnismäßig früh schon begannen sich das Handwerk der Klingenschmiede zu spezialisieren. Im 12. und 13. Jahrhundert unterschieden sich die Schmiede für Schwertklingen von denen der Messerklingen. Klinger und Messerer wurden sie fortan genannt. In ihrem Verhältnis untereinander scheint es seit dem Spätmittelalter in den verschiedenen Zentren unterschiedliche Entwicklungen gegeben zu haben. Im Süden, aber auch im Norden, bildeten die Messerer eine starke Gruppe. Ihr Produkt war ein Gerät mit Klinge, die nur eine Schneide besaß. Darunter zählten nicht nur sämtliche Messer des täglichen Gebrauchs, sondern auch die Seitenwehren, die langen Messer oder einschneidigen Dolche, die der einfache Mann als Waffe trug. Die „kleinen Metzer“, die Gebrauchsmesser für den Alltag, wurden von den Klingenschmieden nebenher und zusätzlich hergestellt, als ein Zubrot oder wenn das Waffengeschäft in friedlichen Zeiten nicht gut ging. Erst in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts trennten sich die (klein)Messermacher von der großen Bruderschaft der Waffenschmiede und erkämpften sich eine eigene Ordnung. Das Handwerk der Schmiede von Klingenwaffen erlebte seine höchste Blütezeit in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts bis zum Ende des 30jährigen Krieges. In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts ging diese Produktion stark zurück. Erst im 19. Jahrhundert gab es wieder eine starke Nachfrage nach Blankwaffen für die nationalen Heere. Noch immer blieb die Herstellung einer guten Klinge weitgehend Handarbeit, aber sie wurde erleichtert durch Dampfhämmer, elektrisch betriebene Schleifmaschinen und Fließbandarbeit in den Fabriken.

Tätigkeiten eines Messerschmieds

Anfang und Ausgangspunkt jeder Klinge lag in der Hand des Schmiedes. Sein Rohmaterial, das Eisen, bezog er in Form von Luppen, später in Barren von den Erzeugern. Der Schmied gab mit seiner Arbeit der Klinge die Form, verlieh ihr durch das Hämmern des Materials ihre Dichte, Festigkeit und Elastizität. Je intensiver das Werkstück geglüht und gehämmert wurde, umso besser war die Qualität der Waffe. Beim Schmiedevorgang erhielt das im ursprünglichen Zustand relativ weiche Eisen die angemessene Relation von Kohlen- und Stickstoff und wurde dadurch zu Stahl. Dieser Prozess erfolgte bis ins 18. Jahrhundert hinein allein aufgrund der Erfahrung von Klingenschmieden. Erst seit dem ausgehenden 18. Jahrhundert konnte man diese Vorgänge analysieren und den Stahl als Ausgangsstoff auf chemisch-physikalische Weise erzeugen.

Der in seine Form geschmiedete Stahl, d.h. die Schwert-, Degen-, Dolch- oder Messerklinge, musste danach gehärtet werden. In erhitztem Zustand wurden sie in kaltem Wasser oder in einer anderen Flüssigkeit (Blut, Talg Urin) abgeschreckt. Genau wie beim Schmieden waren auch hier die Temperaturen und die Dauer des Abschreckens zu beachten. In hochspezialisierten Schmiedezentren entwickelte sich bald ein eigener Berufsstand, der des Härters, der sich ausschließlich auf diese Arbeit konzentrierte. Anderswo härtete der Schmied seine Klinge selbst.
Bis zum Ausgang des Mittelalters fertigten Messerer ihre Erzeugnisse noch ganz eigenhändig, d.h. vom Schmieden über das Schleifen bis zum Belegen mit Heftschalen. In den großen Zentren bildete sich anfangs des 16. Jahrhunderts der Stand der Reider heraus. Diese bezogen, die von den Schmieden gefertigten und von den Schleifern geschärften Klingen und versahen sie mit Griffen. Hierzu verwendete man Holz der verschiedensten Sorten, darunter auch Importe aus exotischen Ländern. Zum Einsatz kamen ferner Horn, Knochen, Schildplatt, Messing und Eisen bis hin zu Silber, Gold und Halbedelsteinen.

Werkzeuge eines Messerschmieds

Quellen
  • Autor: Hanns-Ulrich Haedeke
  • ARD Mediathek, Handwerkskunst
  • Brockhaus Konversationslexikon, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896, Bd. 16, S.1037
  • Lexikon des alten Handwerks, C.H. Beck München