Seifensieder

Ein Handwerk aus der Leder und Textil Branche

Entwicklung des Seifensieder-Handwerks

Seifensieder, Kerzenmacher und Lichterzieher übten eine Tätigkeit aus, die lange Zeit, in manchen Gebieten bis ins 19. Jahrhundert, in den Bereich der Haushaltsproduktion gehörte. Die Ausbildung zum handwerklichen Vollberuf erfolgte nur schrittweise und wohl erst im Hochmittelalter in den Städten. Hier waren diese Handwerker wegen der mit ihrer Arbeit verbundenen Feuergefahr sowie der Geruchsbelästigung in der Regel nur am Stadtrand geduldet. Ihre Zahl war zudem so klein, dass selbstständige Organisationen bzw. Zünfte erst spät und nur vereinzelt zustande kamen. Dabei verschmolzen Seifensieder und Lichterzieher aufgrund der Verwendung des gleichen Rohmaterials zu einem Berufsstand, mit den Wachsziehern, die ihr Handwerk an besonders geeigneten Orten (Wallfahrtsstätten) ausübten, standen sie kaum in Verbindung. Zunächst wurde im Lohnwerk produziert. Die Herstellung der Wachskerzen für liturgische Zwecke wurde in Klöstern und Kirchengemeinden, besonders von Küstern, besorgt. Da ihr Rohstoff (Bienenwachs) nur in begrenzten Mengen und hauptsächlich in Gebieten der Zeidlerei anfiel, kam es relativ früh zum Fernhandel mit Kerzen. Daraus entstanden in der Neuzeit Großbetriebe, wie sie heute noch z.B. in Kevelaer, Fulda, Walldürn und an anderen Orten bestehen.
Seifensieder und Lichterzieher, zumeist in einer Person, kommen seit dem Spätmittelalter in den Städten vor.
Obgleich im 19. Jahrhundert die Zahl der Handwerklichen Kleinbetriebe noch beträchtlich zunahm, verdrängten die Großbetriebe binnen weniger Jahrzehnte das Kleinhandwerk.

Tätigkeiten eines Seifensieders

Die einheimischen Seifensieder produzierten vor allem Gebrauchsware, die einfache Schmierseife und die feste Kernseife. In der Hauptsache verarbeiteten sie Rindertalg, die mit Pottasche verseift und mit Natronsalz gehärtet wurde. Diese Technik ist nördlich der Alpen schon vor der Antike entwickelt worden. Die Hersteller der Seife, die Pottasche selbst in entlegensten Gebieten aufkauften, hatten jedoch Probleme, den reichlich angebotenen Talg zu verwerten und zogen darum aus ihren Schmelzkesseln die leichter absetzbaren Talglichter. Die Seife wurde schon seit der römischen Kaiserzeit ins Mittelmeergebiet geliefert, wo sie zunächst jedoch nur als Pomade Verwendung fand. Zur Körperreinigung wie auch zum Gebrauch als Waschmittel fand die Seife im Abendland nur allmählich im Verlauf der Neuzeit allgemeine Verbreitung. Zu gewerblichen Zwecken wurde Seife vor allem zum Bleichen und Walken benutzt.

Werkzeuge eines Seifensieders

Quellen
  • Autor: Franz Lerner
  • ARD Mediathek Handwerkskunst
  • Brockhaus Konversationslexikon, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896, Bd. 16, S.1037
  • Lexikon des alten Handwerks, C.H. Beck München
  • Handwerkszeug und bäuerliches Arbeitsgerät in Franken, Verlagsdruckerei Schmidt, Neustadt a.d. Aisch