Entwicklung des Hufschmied-Handwerks
Schmied heißt jeder Arbeiter, welcher Metalle verarbeitet, vorzüglich durch Hilfe des Hammers und Ambosses. So gibt es Goldschmiede, Hammerschmiede, Nagelschmiede oder Kupferschmiede. Die Hammerschmiede erledigen die gröbste und schwerste Arbeit. Hufschmied oder Waffenschmied nennt man denjenigen Schmied, welcher das Eisen bloß mit dem Hammer in den Händen, mit Amboss und Zange zu Hufeisen, zu allerlei Geräten und Beschlägen an Wagen bearbeitet. Waffenschmied heißt er noch von früheren Zeiten her, wo man zu der Fertigung von Waffen noch keine spezialisierten Schmiede oder Fabriken hatte.
Die Tätigkeit des Hufschmieds entwickelte sich Hand in Hand mit der Entwicklung der Verkehrstechnik. Das Arbeitsgebiet des Hufschmieds umfasste wesentlich den Hufbeschlag und den Wagenbau, allerdings auch die Herstellung von Zimmeräxten, Beilen, Sensen, Sicheln und von grobem Eisenzeug. Schmiede bildeten zunächst gemeinschaftlich eine Zunft, wobei der Hufschmied (Pferdeschmied) neben dem Waffenschmied als ältester Vertreter des Schmiedehandwerks angesehen werden kann. Die einfache Bezeichnung Schmied verschwindet dann auch mit der seit dem 14. Jahrhundert zunehmenden Ausdifferenzierung der eisenverarbeitenden Handwerke.
Das Rohmaterial Eisen und Stahl wurde meist über die Eisenkramer bzw. die Eisenhandlungen in Stangen verschiedener Stärke (Schabloneneisen, Krauseisen) bezogen. Als Brennstoff wurde bis zur Industrialisierung Holzkohle verwandt. Für eine Tonne Schneideeisen wurden etwa sechs Tonnen Holzkohle benötigt. Durch den Industrialisierungsprozess wurde das Handwerk zunächst wenig berührt. Auf dem Land wurde das Handwerk in vollem Umfang ausgeübt. Es herrschten vor allem Kleinbetriebe vor. Um 1900 dürfte der Arbeitsalltag eines dörflichen und kleinstädtischen Hufschmieds folgendermaßen ausgesehen haben: Er schleift Beile, Meißel, Maurerhämmer, Hämmer, Reifen für Fässer werden gemacht, Reparaturen an Toren und Geländern ausgeführt, Reifen an Fässern und Kübeln werden verzinkt, Schlüssel werden passend gemacht, Wagenscheren und Wagengestelle, Nähmaschinen und Kaffeemühlen repariert, Sensen gesetzt und Spaten gestielt und vermehrt auch Öfen aufgestellt und Ofenrohre passend gemacht.

Tätigkeiten eines Hufschmieds
In der Regel wurden nur gelernte Arbeitskräfte beschäftigt, wobei die Lehrzeit mit zwei bis drei Jahren vergleichsweise kurz war. An ungelernten Arbeitskräften wurden allenfalls Zuschläger beschäftigt. Der Naturlohn, d.h. die Verköstigung im Meisterhaus, hielt sich selbst in den Städten lang. Auf dem Land waren um 1900 durchgängig noch Natural- und Wochenlohn üblich, zumal der Hufschmied meist noch eine kleine Landwirtschaft betrieb. Durch die weite Verbreitung des Handwerks auf dem Land waren überregionale Wanderungen der Gesellen zwar möglich, die Regel sind sie nicht gewesen.
Das Hufeisen, das wahrscheinlich im 9. Jahrhundert aufkam, war für die Geschichte des Transportwesens fast ebenso revolutionär wie das Rad und der Wagen, mit dem sich der Hufschmied beschäftigen musste. Hufeisen wurden aus Stahl geschmiedet, d.h. Flacheisen wurde auf dem Amboss mit Finne (Spitze) und Bahn der verschiedenen Schmiedehämmer geformt. Beim Ausschmieden aus einem rohen Stahlstab musste ein Zuschläger den rund sechs Kilogramm schweren Zuschlaghammer auf den Setzhammer schlagen. Der Meister oder der Altgeselle hielt Setzhammer und Werkstück, eine dritte Person musste noch den Blasebalg treten oder ziehen. Zum Ausschmieden des Hufeisens wurden der Falzhammer und der Stempelhammer und zum Ausschmieden des Zehenaufzuges (der Kappe) das Sperrhorn benutzt. Zum Beschlagen wurden die Niet- und Hauklinge, der Beschlaghammer, der Holzschlegel, die Beschlagzange und schließlich Hufnägel (mit rechteckigen Köpfen) benötigt. Mit der Nietklinge wurden die Nägel an der äußeren Hufwand aufgenietet (umgebogen), mit dem Rinnmesser wurde weicheres Horn von Sohle und Strahl beschnitten. Mit Hauklinge und Holzschlegel entfernte der Hufschmied die harten Hornteile an der Hornschuhwand. Dann wurde das Hufeisen angepasst und aufgebrannt. Nach dem Eintreiben der Hufnägel wurde mit dem Unterhauer ein wenig Horn weggeschlagen, die Nägel wurden abgekniffen, umgebogen und in die Hufwand eingehämmert. Unruhige Pferde kamen in den Notstall (Balkengestell) zur Ruhigstellung.

Werkzeuge eines Hufschmieds
Quellen
- Autor: Andreas Kuntz
- ARD Mediathek, Handwerkskunst
- Brockhaus Konversationslexikon, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896, Bd. 16, S.1037
- Lexikon des alten Handwerks, C.H. Beck München
- Handwerkszeug und bäuerliches Arbeitsgerät in Franken, Verlagsdruckerei Schmidt, Neustadt a.d. Aisch
- Geschichte des Handwerks, Edition XXL GmbH, Fränkisch-Crumbach, 2019

