Entwicklung des Töpfer-Handwerks
Ton ist ein Werkstoff, der überall auf der Welt vorkommt und schon frühzeitig vom Menschen genutzt wurde. Funde von Tonscherben lassen darauf schließen, dass schon um 8000 vor Christus, vielleicht sogar noch früher, einfache Gefäße aus Ton existiert haben müssen. Auch die ersten „Kunstwerke“, Figuren aus Ton, stammen aus dieser Zeit. Bemalte Tonfiguren, die um 6500 vor Christus entstanden sind, wurden in der heutigen Türkei gefunden. Mit der Erfindung der Töpferscheibe und des geschlossenen Brennofens gelang es den Ägyptern, ab etwa 3000 vor Christus hochwertige Keramikgegenstände herzustellen. In Europa war es vor allem die Region um das antike Griechenland, wo die Töpferkunst zu hoher Blüte gelangte. Die Römer brachten die Töpferkunst nach Germanien. Ein anerkannter Handwerksberuf wurde die Töpferei in Deutschland im späten 14. Jahrhundert. Der Schwerpunkt der Töpferei lag zu dieser Zeit auf Gebrauchsgegenständen. Es entwickelte sich die Herstellung von Steinzeug mit einer Salzglasur. In den Ofen wurde Salz gegeben, das eine glasige Schicht auf der Gefäßoberfläche erzeugte. Die so genannte Hafnerkeramik, die bis in 17. Jahrhundert verbreitet war, hatte eine Bleiglasur. Im 16. und 17. Jahrhundert wurden in Frankreich und Belgien zinnglasierte Keramiken hergestellt, die auch Fayencen genannt wurden. Eine Zinnglasur machte die Keramik wasserundurchlässig und schaffte eine dichte, weiße Oberfläche. Im Jahr 1708 dokumentierte und Johann Friedrich Böttger ein Verfahren zur Herstellung von Feinsteinzeug, das europäische Porzellan

Tätigkeiten eines Töpfers
Ton ist ein Verwitterungsprodukt von feldspathaltigen Gesteinen wie Basalt, Granit oder Sedimentgestein. Über Jahrmillionen haben Klima, Wasser, Wind und chemische Reaktionen das Gestein regelrecht pulverisiert. Es entstand Ton. Der häufig zu findende bräunliche oder gelbliche Ton enthält vor allem Eisen. Ton ist in der Lage, die bis zu sechsfache Menge an Wasser zu binden und langsam wieder abzugeben. Für die Töpferei ist vor allem wichtig, dass Ton in feuchtem Zustand plastisch verformbar ist. Er quillt mit der Wasseraufnahme auf und schrumpft beim Trocknen wieder, behält aber seine Form bei. Durch starkes Erhitzen („Brennen“) erhärtet der Ton. Durch die Wahl unterschiedlicher Arten von Ton oder durch Mischen untereinander kann der Töpfer die Materialqualität beeinflussen.
Ton, der zu Gefäßen geformt und gebrannt werden soll, muss sehr gut vorbereitet sein. Vor allem muss die Tonmasse sehr homogen sein, das heißt, das Wasser und die Beimischungen im Ton müssen absolut gleichmäßig verteilt sein. Anderenfalls entstehen beim Brennen Spannungen. Ebenso schädlich sind Luftblasen im Ton.
Die Töpferscheibe ist eine der ältesten Erfindungen der Menschheit. Die Töpferscheibe ist eine rotierende, waagerechte Holzscheibe, auf deren Mitte, ein Tonklumpen gelegt wird. Wird der Tonklumpen bei sich drehender Scheibe mit den Händen geformt, entstehen runde Tongebilde. Ein erster wichtiger Entwicklungsschritt war die fußgetriebene Töpferscheibe. Durch den Fußantrieb waren erstens beide Hände frei und zweitens konnte durch die Fußarbeit eine gleichmäßige Drehbewegung erzielt werden. Eine Verbesserung brachte dann das Schwungrad. Das Schwungrad wurde auch mit den Füssen angetrieben, sorgte aber durch seine Schwungmasse für eine konstantere Drehgeschwindigkeit. Hinzu kam dann das Fußpedal und zum Schluss der Elektromotor. Eine langsam drehende Töpferscheibe verwendet man für Formungstechniken, bei denen Keramik aus mehreren Tonstücken aufgebaut wird. Die schnell drehende Töpferscheibe ermöglicht die Technik des Hochziehens, Ausformens und Glättens.
Arbeitsschritte eines Töpfers
Formen mit der Hand
Beim Formen mit der Hand wird der Ton, ausgehend von einem massiven Tonklumpen, zwischen Daumen und der Handinnenfläche gequetscht und in die gewünschte Form gebracht. Die Hände des Töpfers müssen dabei immer nass gehalten werden.

Formen mit der Plattentechnik
Tonplatten werden geformt, um entweder Ofenkacheln oder Fußbodenplatten zu brennen. Zum Formen von Tonplatten verwendet man entweder zwei Holzleisten als Rahmen, in welchem ein Tonklumpen mit dem Rollholz ausgerollt wird. Oder man nimmt einen größeren Tonblock und schneidet von ihm mit einem feinen Draht „Scheiben“.
Gießen
Das Gießen ist wohl die wichtigste Art bei der Produktion von Gefäßen. Dabei wird in eine Gußform aus Gips die keramische Gießmasse, der sogenannte Schlicker, gefüllt.
Verzieren
Die meisten handwerklich hergestellten Tonwaren erhalten nach dem Formen noch eine Verzierung. Nach Trocknen an der Luft ist die Oberfläche leicht erhärtet und kann bearbeitet werden. Sie kann durch Schmirgeln geglättet und poliert werden. Es können Verzierungen eingeritzt und Gefäße mit Schneidwerkzeugen durchbrochen werden. Farbliche Gestaltung geschieht durch das Bepinseln oder Übergießen mit anders farbigen flüssigen Ton. Ebenfalls kann die Oberfläche glasiert werden.
Brennen
Die noch feuchten Werkstücke müssen vor dem Brennen möglichst langsam trocknen. Die ist ein besonders wichtiger Prozess. Der chemische Vorgang, der mit dem Brennen verbunden ist, setzt bei etwa 650°C ein. Hier wandelt sich der Ton zum „Scherben“. Das Gefäß wird hart und wasserfest, ist aber porös und wasserdurchlässig. Bei Temperaturen über 1.000°C schließen sich die Poren des Scherbens. Er wird wasserdicht und erreicht seine größt mögliche Härte. Bei noch höheren Temperaturen, um 1.300 bis 1.480°C, verglast der Scherben.
Werkzeuge eines Töpfers
Quellen
- Autor: Dr. Peter Albrecht
- ARD Mediathek, SWR Handwerkskunst
- Brockhaus Konversationslexikon, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896, Bd. 16, S.1037
- Geschichte des Handwerks, Edition XXL GmbH, Fränkisch-Crumbach, 2019

