Maurer

Ein Handwerk aus der Stein Branche

Entwicklung des Maurer-Handwerks

Das Handwerk der Maurer entwickelte sich aus den mittelalterlichen Bauhütten, in denen die Steinbauweise beim Bau von Klöstern und Kirchen in großem Stil begonnen und perfektioniert wurde. Zunächst umfasste die Bauhütte alle unter dem Dach der vorläufig gezimmerten Hütte arbeitenden Bauhandwerker. Im 14.Jahrhundert trennten sich dann die qualifizierten Steinmetzen von den Maurern, zum Teil auch von den Steinhauern. Seit dem 14. Jahrhundert setzte sich die Steinbauweise bei den Bürgerhäusern durch. Zunächst wurde das Erdgeschoß und zusehends auch die erste Etage in Stein ausgeführt. Im Küstengebiet verbreitete sich, aufgrund der Knappheit der Haussteine, der Ziegelbau.

Bei den Maurern entstanden bereits im Spätmittelalter großbetriebliche Formen der Arbeitsorganisation. Die Vielzahl der Gesellen auf dem „Platz“ bzw. der Baustelle und das Vorherrschen des Geldlohnes ließen den Meister schon früh als Typus des Proto-Unternehmers erscheinen. Bei den Maurern überwogen eher zeitlich parallel und in unmittelbarer räumlicher Nähe zum Kollegen durchzuführende Arbeitsprozesse, die eher dem Typus der Gruppenarbeit zuzuordnen sind. Im Laufe des 16. Jahrhunderts vollzog sich im großstädtischen Handwerk ein Rückzug des Meisters von der Arbeit auf der Baustelle. Er nahm nur noch die Arbeitsvermittlung, Planung und Bauaufsicht wahr. Mit dieser Entwicklung lockerten sich auch die Beziehungen zwischen Meister und Gesellen weiter, zumal die Entlohnung der Gesellen nicht mehr dem Meister, sondern dem Bauherrn oblag. Der Meisterlohn wurde im 16. Jahrhundert denn auch durch den Gesellengroschen oder -batzen ersetzt, den der Meister für jeden auf der Baustelle tätigen Gesellen erhielt. Bereits seit dem 14. Jahrhundert wurden Löhne im Baugewerbe, die der Bauherr zu bezahlen hatte, durch obrigkeitliche Lohntaxen festgesetzt. Bereits seit dem späten 18. Jahrhundert stiegen die Betriebsgrößen weiter an. Durch die Aufhebung der gewerberechtlichen Beschränkungen und das massive Eindringen des Spekulationskapitals ins Baugewerbe in den 1860er Jahren und während der Gründerjahre setzte sich diese Tendenz fort. Der Lohn wurde nicht mehr obrigkeitlich festgesetzt, sondern wurde zwischen Meistern bzw. Unternehmern und Gesellen frei vereinbart. In den 1860er Jahren vollzog sich der Übergang zum Stundenlohn. Der Stück- und Akkordlohn konnte sich im Baugewerbe nur begrenzt durchsetzen.

Tätigkeiten eines Maurers

Die Lehrzeit war im Baugewerbe vergleichsweise kurz und lag bei zwei bis drei Jahren. Ein Lehrgeld wurde meist nicht verlangt. Aufgrund der harten körperlichen Arbeit lag das Eintrittsalter der Lehrjungen deutlich höher als in anderen Handwerken und ebenso wie die Gesellen erhielten sie Lohn. In einigen Städten wurde die Lehre durch ein Gesellenstück abgeschlossen. Die Wanderschaft, sofern sie sich überhaupt durchsetzte, konnte häufig durch ein Wandergeld abgelöst werden. Neben den Gesellen und Lehrlingen wurden Hilfskräfte wie Mörtelrührer, Windeknechte, Rauchknechte, Steintreiber, Handlanger und Tagelöhner bzw. Tagwerker zum Kalklöschen, Sandschippen, Wasser-, Kalk- und Steintragen beschäftigt. Angelernte Arbeitskräfte (Mörtelrührer) wurden höher entlohnt als ungelernte Kräfte. Mit der Einführung der Meisterprüfung bzw. des Meisterstücks konnten auch die Betriebszahlen begrenzt werden. Aufgrund zunehmend höherer und auch schikanöserer Anforderungen an das Meisterstück sowie der damit verbundenen Mahlzeiten war der Weg zur Meisterschaft für die „Stückmeister“ oft nur noch den Meistersöhnen oder fremden Gesellen durch Einheirat möglich.

Arbeitsanfang und Arbeitsende waren besonders im Baugewerbe Kernelemente des Brauchtums. Zur Pause oder zum Feierabend wurde das Werkzeug. Mit Schwung abgelegt und aufgeklopft. Bei größeren Bauten konnte die Grundsteinlegung oder das Einsetzen des Schlusssteins verbunden mit „dem letzten Geld“ festlich begangen werden.

Wie man ein Gewölbe mauert

Werkzeuge eines Maurers

Quellen
  • Autor: Andreas Grießinger
  • Handwerkszeug und bäuerliches Arbeitsgerät in Franken, Verlagsdruckerei Schmidt, Neustadt a.d. Aisch
  • Lexikon des alten Handwerks, C.H. Beck München
  • Brockhaus Konversationslexikon, F.A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896, Bd. 16, S.1037
  • Geschichte des Handwerks, Edition XXL GmbH, Fränkisch-Crumbach, 2019