Steinmetz

Ein Handwerk aus der Stein Branche

Entwicklung des Steinmetz-Handwerks

Das Steinmetzhandwerk ist eines der ältesten Bauhandwerke. Wahrscheinlich die gewaltigsten und wunderbarsten Bauwerke, an denen Steinmetze maßgeblich beteiligt waren, sind die Pyramiden und die Sphinx in Ägypten. Mit vergleichsweise primitiven Werkzeugen und Messmethoden wurden gewaltige Steinmassen passgenau bearbeitet und zusammengefügt. Später in der Antike waren es die griechischen Tempel und die großartigen Bauwerke Roms, die unter den Händen der Steinmetze entstanden. Ohne Mörtel, allein durch präzise behauene und ineinandergefügte Steine entstanden erstaunliche Steinkonstruktionen. In Mitteleuropa entwickelte sich eine durch Stein geprägte Architektur unter Karl dem Großen. Die Kunst der Steinbearbeitung erreichte in der Gotik einen ersten Höhepunkt. Gegen Ende des 12. Jahrhunderts wurden erste Steinhauerzünfte gegründet. Wie in anderen Zünften wurden Rechte und Pflichten der Handwerksbetriebe geregelt und kaiserliche Privilegien für die Steinhauer erstritten. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden nach und nach alle Zünfte aufgelöst und die Gewerbefreiheit eingeführt. Das heißt, das lokale Monopol der ortsansässigen Handwerker fiel weg. An die Stelle der Zünfte traten Innungen. Mit der Industrialisierung, das heißt, mit der Einführung von Kraftmaschinen, waren große technische Fortschritte in der Steinbearbeitung verbunden. Ein letzter Schritt war die Abkehr von der arbeitsintensiven und teuren Sandsteinbauweise und der Hinwendung zu neuen Baumaterialien wie Ziegelstein und Beton während des 19. Jahrhunderts und vor allem während des 20. Jahrhunderts.

Tätigkeiten eines Steinmetzs

Es wurde eine drei bis fünfjährige Lehrzeit vorgeschrieben. Der ausgelernte Geselle konnte sich nach seinen Wanderjahren einen Meisterbetrieb aussuchen, um dort sein Meisterstück anzufertigen. Dazu war eine Meisterprüfung vorgesehen. Diese erforderte praktische und theoretische, auf den Grundlagen gotischer Sakralbaukunst fußende Kenntnisse einschließlich der Anfertigung eines Meisterstücks (Zeichnung, Baumodelle).

Die Bearbeitung eines Sandsteinquaders stellt die charakteristische Tätigkeit eines Steinmetzen dar. Dies konnte einerseits durch Hauwerkzeuge geschehen, die als ein- oder zweihändige Beile geführt wurden (Spitzfläche, Doppelfläche, Dächsel, Punkthammer und Bossierhammer). Daneben verwendete man auch den Holzhammer, mit dem verschiedene Meißel getrieben wurden (Schlageisen, Spitzeisen, Zahneisen, Scharriereisen). Die Steinmetzen saßen meist auf einem einbeinigen Schemel unter freiem Himmel. Erst seit dem 14. Jahrhundert lassen sich in bildlichen Darstellungen einfache Unterstände und eigene Bauhütten nachweisen. Mit Winkel, Messlatte, Reißnagel und Stechzirkel wurden Quader oder Werkstücke vermessen bzw. hölzerne Schablonen gefertigt. Die Technik der Bearbeitung formbaren Sandsteins hat sich, abgesehen vom Einsatz moderner Maschinen, im Grunde bis heute kaum verändert.

Der Transport der Rohlinge aus den Sandsteinbrüchen erfolgte mit einachsigen Karren, größeren Fuhrwerken oder per Schiff. Neben dem seit dem 3. Jahrhundert vor Christus bekannten Flaschenzug zum Heben großer, tonnenschwerer Stücke wurden auch einfache Lastkräne in Form eines Galgens verwendet. Diese teilweise schwenkbaren Kräne wurden entweder mit einer Seilwinde oder bei großen Höhen und Lasten mit Treträdern, in denen ein oder zwei Mann nebeneinander laufen konnten, betrieben. Die Steine wurden entweder durch Steinzangen über seitliche Zangenlöcher an den Steinen oder von oben mit Hilfe einer schwalbenschwanzförmigen Verkeilung gegriffen und an Ort und Stelle mit Mörtel, bei vielen gotischen Konstruktionen fast immer unter Verwendung von Eisenbewehrungen versetzt.

Werkzeuge eines Steinmetzs

Quellen
  • Autor: Dr. Peter Albrecht, Peter Fleischmann
  • ARD Mediathek, Handwerkskunst
  • Lexikon des alten Handwerks, C.H. Beck München
  • Handwerkszeug und bäuerliches Arbeitsgerät in Franken, Verlagsdruckerei Schmidt, Neustadt a.d. Aisch
  • Geschichte des Handwerks, Edition XXL GmbH, Fränkisch.Crumbach, 2019