Bergmann

Ein Handwerk aus der Stein Branche

Entwicklung des Bergmann-Handwerks

Als der Mensch begann, Werkzeuge für die Jagd und für die Versorgung seiner Jagdbeute herzustellen, suchte er in der Natur nach geeigneten Materialien. Ein mineralisches Gestein, das für Schneidwerkzeuge hervorragend geeignet war, ist der Feuerstein. Die Spuren des bislang ältesten Feuersteinbergwerks Europas wurden im Kleinwalsertal entdeckt und sind mehr als 10.000 Jahre alt. Der Feuerstein wurde „im Tagebau“ aus dem Fels geschlagen. Werkzeuge aus diesem Gestein, wie Klingen, Schaber und Pfeilspitzen, wurden in der Umgebung dieses Bergwerks gefunden. Der älteste bislang nachgewiesene Untertagebau fand im südlichen Schwarzwald statt. Hier wurde um 5000 v. Chr. Hämatit oder Roteisenstein gewonnen. Bis ins Mittelalter galt das Hauptinteresse des Bergbaus der Gewinnung von Kupfer- und Eisenerzen. Erst im 12. und 13. Jahrhundert wurden in den Gebieten von Aachen und Dortmund das Vorkommen und die Verwendung von Steinkohle erwähnt. Anfangs wurde nur oberflächlich und wenig systematisch nach Kohle gegraben. Für die örtlichen Bauern war das Graben nach Kohle eine Nebentätigkeit. Man sprach damals von „Kohlengräberei“ und nicht von Bergbau. Im 18. Jahrhundert, als das Holz der Wälder als Brennstoff knapper und Steinkohle zum Schmelzen von Eisenerz verwendet wurde, setzte eine intensivere Kohleförderung ein. Man begann verstärkt mit Hilfe von Stollen und Schächten die tiefer liegende Kohle abzubauen. Es entstanden sehr viele, aber kleine Zechen, deren Schächte nur bis zum Grundwasserspiegel reichten. Ein großes Problem war erstaunlicherweise der Abtransport der geförderten Steinkohle. Der Ausbau der Straßen wurde lange Zeit von der Bevölkerung abgelehnt, da sie in Kriegszeiten Truppendurchmärsche befürchteten. So wurde die Kohle zunächst auf dem Rücken von Pferden abtransportiert. Erst später wurde der Transport mit Pferd und Wagen möglich. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurden die Schächte immer tiefer (einige hundert Meter). Um das in die Schächte fließende Grundwasser abzupumpen, setzte man Dampfmaschinen ein. Zum Transport der Kohlewagen unter Tage wurden Pferde eingesetzt. Ein wesentlicher Fortschritt im Bergbau war um 1858 die Einführung des Drahtseils und des Förderkorbes, um die Bergleute nach unter Tage zu bringen. Bis dahin mussten die Bergleute an Leitern in den Schacht ab- und wieder heraufsteigen. Dies konnte mehr als eine Stunde pro Weg dauern. Mit dem Förderkorb schaffte man das in wenigen Minuten.

Tätigkeiten eines Bergmanns

Die Schächte moderner Steinkohlebergwerke führen heute in Tiefen von bis zu 1400 Metern. Ihre Stollen, dass sind die mehr oder weniger horizontal verlaufenden Gänge, können sich mehrere Kilometer erstrecken. Die Förderschächte dienen dem Transport von Menschen, Material und Kohle. Sie beherbergen auch die Versorgungsleitungen für Wasser, Strom und Luft. Jedes Bergwerk hat mindestens zwei Schächte, von denen einer Frischluft zuführt und der andere die verbrauchte Luft abführt. Von den Schächten aus führen die waagerechten Stollen mit abzweigenden „Richtstrecken“ zur Kohle hin. Die waagerechten Ebenen werden Sohlen genannt. Die übereinanderliegenden Sohlen sind durch Schächte verbunden, die nicht bis ans Tageslicht führen, die „Blindschächte“. Direkt an der Kohle folgen die „Flözstrecken“ dem Verlauf der Kohle.

Zum Abbau der Kohle muss das Gestein gelockert werden. Früher wurde das Gestein vorsichtig mit Schießpulver, später mit Dynamit, gesprengt. Heute kommen hauptsächlich Vortriebsmaschinen zum Einsatz. Die herausgebrochene Kohle wird auf kilometerlange Transportbändern und Wagen zu den Schächten und dann mit den Förderkörben über Tage gebracht.

Die Bergordnungen sahen zwar schon in den 1860er Jahren den Acht-Stunden-Tag für Bergleute vor, aber die Regelungen galten für die Arbeitszeit vor Ort. Die Zeit für Ein- und Ausfahrt, Übernahme von Werkzeug und Lampen wurde nicht angerechnet. Dadurch kam es durchaus zu Schichtzeiten zwischen 10 und 12 Stunden. Die Arbeitsbedingungen unter Tage waren alles andere als einfach. Durch die Erdwärme stieg die Temperatur mit zunehmender Tiefe stetig an. Hinzu kam eine hohe Luftfeuchtigkeit und sehr viel Gesteins- und Kohlestaub. Vor Ort waren die Flöze oft so niedrig, dass die Bergleute nur kniend oder liegend arbeiten konnten. Diese Arbeitsbedingungen wirkten sich auch auf die Lebenserwartung der Bergleute aus. In früheren Jahrhunderten war Kinderarbeit durchaus üblich, auch im Bergbau.

Werkzeuge eines Bergmanns

Quellen
  • Autor: Dr. Peter Albrecht
  • Brockhaus Konversationslexikon, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896, Bd. 16, S.1037
  • Geschichte des Handwerks, Edition XXL GmbH, Fränkisch-Crumbach, 2019