Färber

Ein Handwerk aus der Leder und Textil Branche

Entwicklung des Färber-Handwerks

Im 12. und 13. Jahrhundert brachte der Levantehandel die Verbreitung neuer Farben und Techniken. Aus der Levante kamen vor allem Indigo, Farbhölzer, Safran, Saflor, Krapp und Galläpfel. Als Beizmittel fand der Alaun Verbreitung, doch auch Aschenaufgüsse, Kalklaugen, Zinnsalze und Urin blieben als Beizen in Gebrauch. Die neuen Beizenfarbstoffe und die neuen Färbetechniken, die durch Färber aus Ober- und Mittelitalien sowie aus Flandern verbreitet wurden, bildeten die Grundlage einer blühenden handwerklichen Färberei.

Bereits 1208 finden wir flämische Färber in Wien. Erst seit dem 14. Jahrhundert kam es zu zünftigen Zusammenschlüssen der Färber, doch vielfach blieb das Färben eng mit der Tuchmacherei verbunden und löste sich nur langsam aus der Weberei heraus.
Im Rahmen der hauswirtschaftlichen Produktion wurde rohe Leinwand aus ungebleichtem Garn gewebt; leicht gemangelt oder gepresst behielt sie die graue Farbe des rohen Garns. Seit dem 12. /13. Jahrhundert wurde die Leinwand dann einem langen Bleich-, Walk- und Mangelprozess unterworfen, bis sie weiß wurde. Mit der witterungsabhängigen Rasen- und Sonnenbleiche waren allerdings lange Bleichzeiten verbunden. Schon seit dem 14. Jahrhundert wurden in den Textilzentren große Bleichanlagen errichtet, die zunächst häufig Eigentum der Stadt waren. Die Farbleinwand wurde meist nur halb gebleicht und dann gefärbt. Mit der Färberei konnten die langen Bleichzeiten überwunden werden und die Farbleinwand durchbrach schließlich die Vorrangstellung der gebleichten Ware auf dem europäischen Markt.

Mit der Färberei (Waschen, Beizen, Spülen, Färben) war meist auch eine erhebliche Gewässerverunreinigung verbunden. Die Prägung des Stadtbildes und die Konzentration der Färberbetriebe an den Wasserläufen wird an der vielfach anzutreffenden Färbergasse, dem Färbergraben oder dem Färbertor erkenntlich.

Seit dem späten 16. Jahrhundert entwickelte sich dann das typische Färberhaus. Lange Stoffbahnen mussten zum Trocknen knickfrei aufgehängt werden können. An vielen Färberhäusern des 17. und 18. Jahrhunderts waren daher an einer Traufseite des Gebäudes und unter dem weiten Dachüberstand rechenartige Vorkragungen angebracht. In den Zentren der exportorientierten Textilproduktion entstanden richtige Färbertürme. Im 19. Jahrhundert erfuhr die handwerkliche Färberei besonders durch die Entdeckung der Anilinfarben (1859) einen Umbruch. Durch die Anilinfarben konnte nun jede Farbnuance erreicht werden. Sie verbanden sich als substantive Farben unmittelbar mit der Faser, während die adjektiven Farben zur Fixierung eine Beize brauchen.

Tätigkeiten eines Färbers

Für die Gesellen der Färber war die Wanderschaft von entscheidender Bedeutung, um die Technologie ihres Handwerks kennenzulernen. Die Wanderbücher der Färbergesellen enthalten daher meist Rezepte. Die Wanderjahre waren für die Färbergesellen daher unabdingbar. Die Gesellen wurden im Wochen- oder auch im Vierteljahreslohn bezahlt, da der Arbeitsprozess in hohem Maße von Naturprozessen abhing. Ähnliche Verhältnisse bestanden bei den ungelernten Bleichknechten, die meist vom Land zur Bleichsaison in die Textilzentren kamen.

Die Schwarzfärber scheinen sich als eigenständiges, wenngleich von den Leinenwebern abhängiges Gewerbe herausgebildet zu haben. Die schwarze Farbe wurde durch das Kochen von Eisensalzen, Eisenoxiden oder Eisenfeilspänen (Schliff) mit Gerbsäuren in wässriger Lösung angesetzt. Zum Graufärben wurden Kupferwasser und Gallus verwendet. Da Schwarz und Blau die Hauptfarben des mittelalterlichen Gewandes waren, fiel vor allem das Blaufärben in den Arbeitsbereich der Kunst- und Schönfärber.

Gelb wurde mit Wau- bzw. Färberkraut (Scharte) gefärbt. Rot mit der Färberröte bzw. Krapp (nur Wolle) und Brasilholz (Leinen). Kaminrot wurde aus der getrockneten Körperflüssigkeit der Cochenillelaus hergestellt und damit der Scharlach (Schafwolle, Seide). Bei den anderen Geweben konnte erst nach der Walke gefärbt werden. Während Wollstoffe in der warmen Küpe (Farbbad) gefärbt wurden, ließ sich Leinen und Baumwolle nur in der kalten oder mäßig warmen Küpe färben.

Eng verbunden mit der Färberei entwickelte sich seit dem späten 17. Jahrhundert der Blaudruck. Der Blaudruck wurde im Reserveverfahren (negativer Druck) durchgeführt. Beim Aufdruck der Reserve wurde während des anschließenden Färbens das Muster ausgespart bzw. reserviert. Hierzu war ein umfangreicher Vorrat an Druckmodeln nötig.
Die Türkischrotfärberei (Baumwolle) mit dem Beizfarbstoff Alizarinrot verbreitete sich erst in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts.

Neben den bisher angesprochenen Farbstoffen kam später dann dem Indigo eine herausragende Bedeutung zu. Der Indigo war schon lange bekannt. Trotz obrigkeitlicher Verbote der „fressenden“ Farbe (Teufelsfarbe) setzte er sich durch. Er wurde in kristallisierter Form in die Werkstätten geliefert und dort zerkleinert bzw. gerieben. Größere Färbereien beschäftigten ungelernte Farbreiber meist im Tagelohn.

Werkzeuge eines Färbers

Quellen
  • Autor: Reinhold Reith und Konrad Vanja
  • Brockhaus Konversationslexikon, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896, Bd. 16, S.1037
  • Lexikon des alten Handwerks, C.H. Beck München
  • Handwerkszeug und bäuerliches Arbeitsgerät in Franken, Verlagsdruckerei Schmidt, Neustadt a.d. Aisch