Entwicklung des Goldschmied-Handwerks
Die Aufgabe der Goldschmiede war und ist die Verarbeitung der edlen Metalle Silber und Gold, in neuerer Zeit auch Platin, zu Gegenständen des Schmucks, der Tischkultur, des kirchlichen Lebens und zu vielen anderen Zwecken. Die namensgebende Technik des Schmiedens, d.h. der Verformung des Metalls mit dem Hammer, spielte dabei vorwiegend bei der historisch gesehen wichtigeren Verarbeitung von Silber eine Rolle. Gold wurde üblicherweise in Gußtechnik verarbeitet, meist in kleinem Format (Schmuck). Andere oft angewandte Vorgänge bei der Herstellung von Schmuck waren u.a. das Fassen von Edelsteinen oder die Filigranarbeit.
Silber, das meistverarbeitete Metall, diente als Material für nahezu alle Produkte des Handwerks (Trinkgefäße, Tafelgeschirr und -besteck, kirchliche Geräte von der kleinen Hostiendose bis zum ganzen Altar, Möbel, Kleidungszubehör wie Knöpfe und Gürtel, Bucheinbände, etc.). Beim Schmuck spielte Silber in größerem Umfang im Bereich des volkstümlichen Filigranschmuckes des 18. und 19. Jahrhunderts eine Rolle.
Die Goldschmiede gehörten mit zu den ältesten technischen Berufen. Ihr bis ins 19. Jahrhundert hinein angewandtes handwerkliches Wissen überlieferte schon das wohl im 12. Jahrhundert verfasste Traktat „De diversis artibs“, das die Erfahrungen in den klösterlichen und höfischen Werkstätten des Mittelalters zusammenfasste. Mit dem Aufstieg der städtischen Gemeinschaften etablierten sich Goldschmiede vorwiegend in den Kommunen, zunächst eher dort, wo Kirche und andere Auftraggeber Garanten für eine ausreichende Auftragslage waren. Besonders die Handelsstädte, aber auch die Konzentrationspunkte kirchlicher und weltlicher Macht förderten die Niederlassung von Goldschmieden. Gerade die barocke Prachtentfaltung an den fürstlichen Höfen des 17. Und 18. Jahrhunderts verschaffte dem Goldschmiedehandwerk eine gute Auftragslage. Maschinentechniken, wie Drücken, Prägen, Pressen, Guillochieren u.a. fanden zögernd im Laufe des 19. Jahrhunderts Eingang in den Herstellungsprozess. Die Übernahme der Massenproduktion durch großbetriebliche Fertigung verwies die weiterhin handwerklich tätigen Goldschmiede auf die ortsansässige Kundschaft und den Handel.

Tätigkeiten eines Goldschmieds
Die hohen Anforderungen des Handwerks bedingten eine verhältnismäßig lange Ausbildung. Die Lehrzeit betrug bis ins 16. Jahrhundert hinein meist vier Jahre. Ein Gesellenstück im modernen Sinn war nicht üblich. Seit dem späteren 16. Jahrhundert wurden in den meisten Städten vier bis sechs Gesellenjahre verlangt. Einem Wanderzwang waren die Gesellen nur in wenigen Städten unterworfen. Als Meisterstücke wurden meist drei Stücke gefordert, ein Ring mit gefasstem Stein, ein geschnittenes Siegel und ein Trinkgeschirr, an denen der angehende Meister die Beherrschung der wichtigsten Techniken nachweisen musste. Im 19. Jahrhundert gingen wesentliche Impulse der beruflichen Aus- und Fortbildung von den vielerorts gegründeten Kunstindustrie- und Gewerbevereinen aus, die neben den Verarbeitungstechniken vor allem die entwerfenden und zeichnerischen Fähigkeiten der Handwerker zu fördern suchten. Die handwerkliche Ausbildung mit Gesellenstück und Prüfung als abschließenden Teilen gliedert sich heute in drei Berufsbilde, dem Goldschmied, dem Silberschmied und dem Steinsetzer.
Als typischer Arbeitsablauf kann die Herstellung eines größeren Trinkgefässes gelten. Aus einer gegossenen runden Metallscheibe (Ronde) wurde ein Blech in gwünschter Stärke geschmiedet. Aus diesem wurde anschließend der Hohlkörper mittels des Hammers und eines Ambosses mit verschiedenen Einsätzen geschlagen (aufgezogen). Einzelne Teile wie Pokalschäfte oder plastischer Zierrat wurden gegossen. Die Oberfläche der Hohlgefäße wurde oft in verschiedener Weise dekoriert, entweder ziseliert mit durch Hammer und Punzen reliefmäßig getriebenen und strukturierten Formen, oder graviert, also mit einem Stichel spanabhebend in die Oberfläche eingetieft. In manchen Fällen erzielte man die gewünschte Wirkung durch Ätzen. Zu diesen Ziertechniken, die auch bei der Verarbeitung von Gold angewendet wurden, kommen u.a. noch das Emaillieren und das Niellieren hinzu. Oft wurde das Produkt nach dem „Ausbereiten“ (weißsieden, glätten, polieren) durch Feuervergoldung mit einer dünnen Goldauflage versehen. Zum Arbeitsbereich der Goldschmiede zählte außerdem das Schneiden von Siegeln in Silber. Das fertige Stück wurde abschließend vom städtischen Schaubeamten und/oder den Vorstehern der Innung auf seinen vorgeschriebenen Feingehalt kontrolliert.
Ihr Material bezogen die Goldschmiede oft als Bruchsilber oder über die örtliche Münze. Üblich war auch die Einlieferung alten Silbers zum Einschmelzen durch den Auftraggeber.

Werkzeuge eines Goldschmieds
Quellen
- Autor: Ralf Schürer
- ARD Mediathek, Handwerkskunst
- Brockhaus Konversationslexikon, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896, Bd. 16, S.1037
- Lexikon des alten Handwerks, C.H. Beck München

