Hutmacher

Ein Handwerk aus der Leder und Textil Branche

Entwicklung des Hutmacher-Handwerks

Während in Paris bereits im 13. Jahrhundert Hutmacher tätig waren, so datiert ihr Auftreten in Deutschland nicht vor dem 14. Jahrhundert. In gewerblicher und technischer Hinsicht haben sie sich aus dem Handwerk der Wollweber und Wollschlager heraus entwickelt, denn das Fachen, als Kernprozess der Hutproduktion, war dem Wollschlagen verwandt. Die Technik der Verfilzung (daher auch die Berufsbezeichnung Filter, Vilter, Hutfilter, Filtmacher) kennzeichnet offenbar erst im 14. Jahrhundert wesentlich die Produktion der Hutmacher. Lange Zeit domminierten Filze, Schuhe, Gamaschen, Reitsocken etc. die Produktion des Hutmachers. Die Fertigung des Hutes stellte jedoch die komplizierteste Arbeit dar. Da zum Verkauf nur ein Maß, die lichte Weite, stimmen musste, war der Hut zur Vorratsproduktion geeignet. Als handelndes Handwerk standen somit die Hutmacher auch in Konkurrenz mit den Krämern. Die handwerkliche Hutproduktion blieb bis ins 19. Jahrhundert ausgesprochen kleinbetrieblich. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde der Wollhut durch den Haarhut und den Seidenhut verdrängt. Die Herstellung feiner Filz- und Haarhüte war bereits seit dem späten 17. Jahrhundert durch Hugenotten manufakturiell betrieben worden. Um Mitte des 19. Jahrhunderts wurden in rascher Folge Maschinen entwickelt, die die einzelnen Arbeitsgänge mechanisierten. Die erste Hutmachermaschine wurde 1826 erfunden. In schneller Folge erschienen Fach-, Blas- und Walkmaschinen auf dem Markt. Mit der Einführung der Fachmaschine (Glockenfachmaschine) konnten Wollhüte industriell produziert werden. Sie verdrängte schließlich die herkömmliche Technik des Fachbogens. Ab 1870 kamen maschinell hergestellte Wollhüte auf den Markt. Der Hut wurde billiger und fand weitere Verbreitung. Ende der 1870er Jahre und in die 1880er Jahre hatte sich die fabrigmäßige großbetriebliche Hutproduktion bereits durchgesetzt und das Hutmacherhandwerk verdrängt. Der Hutladen übernahm nun die Reparatur, das Färben, Formen, Bügeln und Staffieren und die Meister gingen allmählich zum Handel über.

Tätigkeiten eines Hutmachers

Wichtigster Rohstoff war Wolle, aber auch Hasen-, Kaninchen-, Otter- und Biberhaar. Bein Wollkauf war jeglicher „Fürkauf“ verboten. Vor dem Enthaaren (Rupfen, Scheren) wurde mit Scheidewasser, das Quecksilber und Arsenik enthielt, gebeizt. Nach dem Waschen und Trocknen folgte die Hauptarbeit, das Fachen. Der Fachbogen, eine etwa zwei Meter lange Stange wurde durch eine Darmsaite zum Schwingen gebracht, die die Haare aufwirbelte. Zur Erleichterung der Hand hing er an einer von der Decke herabhängenden Schnur. Die Fachsaite wurde mit dem Schlagholz in Bewegung gesetzt und auf der Fachtafel wurden die Haare dann durchgepeitscht und bildeten eine flaumige Schicht. Diese erhielt durch Druck einen leichten Zusammenhalt und durch Schub eine dreieckige Form. Mehrere solche Fache wurden mit dem Fachsieb weiter verdichtet. Dann folgte das eigentliche Filzen. Die Fache wurden durch Feuchtigkeit, Wärme und Druck so lange bearbeitet, bis sich das Material verdichtete. Dann wurden zwei Fache zusammengefilzt bis schließlich eine riesige kegelförmige Mütze (Trichter) entstand. In einem kupfernen Walkkessel, der in einem Ofen eingelassen war, wurde der Filzkörper in die Walkbeize eingetaucht und dann mit Rollholz (Stock) und Bürste einem langwierigen und kraftaufwendigen Arbeitsvorgang unterzogen. Der Stumpen, der noch wie ein Topf aussieht, konnte nun geformt werden. Zuerst wurde der Kopf „ausgestoßen“, der Rand glattgezogen und der Hut auf der Form getrocknet. Nach dem Trocknen wurde er eingefärbt und zum Lüften auf Bretter gestellt. Färben und Lüften wurden mehrfach wiederholt. Danach wurde ausgewaschen, nochmals gekocht und mit „Glasstampfern“ rein gestrichen. Beim folgenden „Steifen“ wurde Leim aufgetragen und über dem Ofen eingedampft, so dass er völlig in den Filz einzog. Abschließend wurde der getrocknete Hut zugerichtet, d.h. gebügelt, gebürstet und schließlich mit Futter, Schweißleder, Band, Tresse, Feder ausstaffiert und die Hutkrempe umsäumt.

Werkzeuge eines Hutmachers

Quellen
  • Autor: Reinhold Reith
  • ARD Mediathek, Handwerkskunst
  • Brockhaus Konversationslexikon, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896, Bd. 16, S.1037
  • Lexikon des alten Handwerks, C.H. Beck München