Kupferschmied

Ein Handwerk aus der Metall Branche

Entwicklung des Kupferschmied-Handwerks

Schon wesentlich früher als Eisen entdeckt und genutzt wurde, ist Kupfer bis in unser Jahrhundert ein sehr vielseitig und häufig genutztes Metall. Den Nachteil seiner geringen Härte hat man durch Legieren mit Zinn zu Bronze, oder mit Galmei (Zinkspat) zu Messing, wettzumachen versucht. Damit hat man sich ein weites Spektrum von Verarbeitungstechniken und Produktformen eröffnet. Das spiegelt sich in der schon im Spätmittelalter weit ausdifferenzierten Vielfalt der Kupfer verarbeitenden Berufe, wie Messing- und Beckenschläger, Rot- und Gelbgießer, Rot-, Draht-, Blechschmiede, Gürtler, Zirkelschmiede, Waagen- und Gewichtmacher wieder. Waren diese aber eher dem gehobenen Bedarf verpflichtet, fertigten die Kupferschmiede vor allem das tägliche Gebrauchsgeschirr. Von ihrem verbreitetsten Produkt rührt ihr anderer Name Kesselschmied, auch Keßler, her, von ihrer hauptsächlichen Arbeitstechnik der Name Kaltschmied. Weil die Arbeiten durchweg in der Werkstatt durchgeführt wurden, hießen diese Kupferschmiede auch Werkstätter und unterschieden sich darin von den Hammer(kupfer)schmieden, die den Werkstätten als Endverarbeitern halbfertige Vorprodukte lieferten. Die Hammerschmieden waren aufgrund ihrer Standortbedingungen in bestimmten Regionen konzentriert. Die Art des Produktionsprozesses erforderte das teils arbeitsteilige Zusammenwirken mehrerer Hilfskräfte im Gesellenstatus unter dem Hammermeister, der meist auch Eigentümer oder Pächter und Betreiber des Hammers war. Wegen des hohen Kapitaleinsatzes für Erwerb und Unterhalt der Anlagen war er häufig in einer Art Verlagssystem durch Lieferungs- und Abnahmeverträge mit Hütten- und Kupferhandelsgesellschaften verbunden. Kupferhämmer wiesen als Großbetriebe über die typische kleinbetriebliche Betriebsform des Handwerks hinaus manufakturielle Züge auf, bis sie in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts durch Walzwerke verdrängt wurden. Die Tendenz zu industriellen Produktionsformen hatte bis zum Ende des 19. Jahrhunderts das gesamte Kupferschmiedegewerbe erfasst, wobei die noch nebeneinander bestehenden Groß-, Mittel- und Kleinbetriebe bestimmte Tätigkeitsfelder besetzt hielten.

Tätigkeiten eines Kupferschmieds

Die typische Hammerschmiede vereinigte unter einem Dach einen Schmelzherd, verschieden geformte Hämmer, die über Wellen durch Wasserkraft betätigt wurden, mit entsprechenden Ambossen und einer Esse mit ebenfalls wassergetriebenen Blasebälgen. Garkupfertafeln und Altkupfer wurden zum Schmelzen gebracht, Verunreinigungen abgeschäumt und das Flüssigmetall in eiserne halbkugelförmige Tiegel gegossen. Aus den noch rotglühenden sogenannten Hartstücken oder Teilen entstanden unter den Hämmern entweder Scheiben, Tafeln und Bleche unterschiedlichen Gewichts, Größe und Stärke. Ebenfalls entstanden Stäbe und Platten für den Kupferstich. Größe und Form richteten sich dabei nach dem Bedarf der weiterverarbeitenden Werkstätten.

Die Fertigung des Endprodukts in Handarbeit war die Domäne des im handwerklichen Kleinbetrieb arbeitenden Werkstätters. Über die Großgefäße hinaus fielen in sein Metier allerlei Haushaltsgeschirr wie Pfannen, Töpfe, Becher, Backformen, Flaschen, Kannen, Ofenblasen, Herdschiffe, Wasserbehälter, Gießkannen, Waschbecken, Trichter, Siebe, Fuß- und Bettwärmer sowie Gefäße, Röhren und Kühlschlangen zum Branntweinbrennen, Leuchter und Lampen. Dabei reichten die Arbeitstechniken vom kalten Schlagen, Dengeln und Treiben mit Holz- und Eisenhämmern auf Spezialambossen über das Zusammenfügen durch Löten mit Hartlot, durch Falzen und Nieten bis zum Verzinnen von Gefäßen, um den Ansatz von Grünspan zu verhindern. Zur Verschönerung des Produkts bediente man sich des Polierens mit dem Polierhammer oder der Verzierung mittels Punzen. Zu ihrem Arbeitsbereich gehörte auch die Verkleidung von Dächern und Turmspitzen mit Kupferblechen, die Anfertigung von Dachrinnen nebst Wasserspeiern. Wegen des wertvollen Rohstoffes spielten die Wiederverwertung von Altkupfer durch Einschmelzen oder durch die Rundumerneuerung alter Geschirre und überhaupt Reparaturarbeiten eine erhebliche Rolle.

Werkzeuge eines Kupferschmieds

Quellen
  • Autor: Frank Göttmann
  • ARD Mediathek, Handwerkskunst
  • Lexikon des alten Handwerks, C.H. Beck München
  • Handwerkszeug und bäuerliches Arbeitsgerät in Franken, Verlagsdruckerei Schmidt, Neustadt a.d. Aisch
  • Geschichte des Handwerks, Edition XXL GmbH, Fränkisch.Crumbach, 2019