Entwicklung des Nagelschmied-Handwerks
Der Nagelschmied (Nagler) lieferte Eisen- und Stahlnägel sowie Stahlzwecken. Einige Sorten wurden seit dem 15. Jahrhundert verzinnt (Weißnagelschmied). Es gab auch schwarz gefärbte Nägel, insgesamt bis zu fünfzig verschiedene Arten. Die gelegentlich benötigten aus Nichteisenmetall wurden von anderen Handwerkszweigen hergestellt.
Das Nageleisen als typisches Werkzeug des Nagelschmieds ist seit der Antike bekannt. Verstärkt seit dem 18. Jahrhundert schnitt man Nägel in der Nähe von Eisengewinnungsorten auf dem Dorf, meist ohne Zunftbindungen und nur mit wenigen amtlichen Regelungen, oft als bäuerliches Nebengewerbe. Diese Form der Produktion wurde um 1800 wichtiger, als das städtische Handwerk und sie expandierte bis 1850/70. Zentren waren regelrechte Nagelschmiededörfer mit Werkstätten fast in jedem Haus. Beispiele dafür sind z.B. Ardennendörfer bei Lüttich, Bigge und Bruchhausen im Sauerland, Reddighausen an der Eder, Biedenkopf und Isenburg an der Sayn im Westerwald, Hermeskeil im Hochwald, Schmitten im Hochtaunus.
Die Werkstatt besaß eine Esse mit einem Blasebalg, der über ein Gestänge mit der Hand oder dem Fuß betätigt wurde. Der Amboss hatte in der älteren Zeit eine überkragende flache Bahn mit Löchern. Er diente so als Auflage für das in der Hand gehaltene Nageleisen. Etwa seit dem 17. Jahrhundert bestand die typische Ausstattung des Ambossstocks in einem kleinen Amboss ohne Horn, einem Blockmeißel (Schrotmeißel, Schrotte) und einer senkrechten Stütze (Docke, Stutzer) mit einem Vierkantloch zum Festkeilen des Nageleisens, das mit dem anderen Ende auf dem Amboss auflag. Jedes Nageleisen hatte ein nach unten sich erweiterndes Loch, das oben, in einer stählernen Erhöhung (Krone), die genaue Querschnittsform und -größe des Nagels aufwies. Der Nagelschmiedehammer, kopflastig, vierkantig und ohne Finne wog zwischen 0,6 und 1,5 kg.
Seit dem späten 18. Jahrhundert versuchte man in England, nägel mechanisch durch Gießen, Walzen, Pressen, Stanzen oder Schneiden zu erzeugen. Aber erst die Drahtstiftmaschine führte zum Ende des Handwerks. Von Hand wurden noch lange Zeit Huf- und Schuhnägel sowie die besonderes großen First- und Schleusennägel (bis 45 cm) gefertigt.

Tätigkeiten eines Nagelschmieds
In der Stadt folgte einer Lehrzeit von meist drei Jahren eine Gesellenzeit von mindestens zwei bis vier Jahren. Seit dem 15. Jahrhundert sind die Gesellen gewandert. Das Meisterstück bestand, örtlich verschieden, im Herstellen der Werkzeuge, vor allem der Nageleisen, sowie einer bestimmten Anzahl Nägel in vorgeschriebener Zeit. Der Meister hatte in der Regel eine eigene Werkstatt, ein Lehrjungen und zwei oder drei Gesellen waren ihm erlaubt. Auf dem Land gab es, spätestens seit der Einführung der Gewerbefreiheit nur eine Anlern- oder Lehrzeit.
Rohstoff war möglichst weiches (kohlenstoffarmes) Zain- oder Krauseisen oder Stahl in 5 bis 8 mm dicken Vierkantstangen. Jeweils zwei Stäbe wurden abwechselnd an einem Ende auf Weißglut erhitzt und bearbeitet, wobei der Schmied das kalte Ende mit bloßer Hand hielt. Im 15. Jahrhundert schmiedete er zunächst jeden Nagel grob mit einer Wulst vor, erhitzte ihn erneut und formte den Kopf im Nageleisen aus. Etwa seit dem 16. Jahrhundert wurde der Nagel in einer Hitze hergestellt. Zuerst wurde die Spitze ausgeschmiedet, dann an der Kante des Ambosses in einem der Nagellänge entsprechenden Abstand ein Ansatz geschlagen und mit dem Meißel kurz dahinter ein Hieb gesetzt, aber nicht ganz durchgeschlagen. Man steckte nun die Spitze in das Nageleisen, schlug oder brach den Nagel von der Stange ab, schmiedete den Kopf aus und schlug zuletzt den fertigen Nagel von unten heraus. Bei einigen Sorten formte man den Kopf durch einen Schlag auf einen aufgesetzten Stempel (Gesenk). Ein Nagel erforderte 16 bis 60 Schläge und dazu 10 bis 80 Sekunden Arbeitszeit. Täglich stellte ein Schmied in 10 bis 14 Stunden (einschließlich Pausen) zwischen 500 und 4000 Nägel her.

Werkzeuge eines Nagelschmieds
Quellen
- Autor: Kurt Stahlschmidt
- Brockhaus Konversationslexikon, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896, Bd. 16, S.1037
- Lexikon des alten Handwerks, C.H. Beck München
- Geschichte des Handwerks, Edition XXL GmbH, Fränkisch-Crumbach, 2019

