Schlosser

Ein Handwerk aus der Metall Branche

Entwicklung des Schlosser-Handwerks

Ursprünglich waren es allein die Schmiede, die Eisen bearbeitet haben. Mit zunehmender Spezialisierung bildeten sich Teilgewerbe, die zunächst mit dem Schmieden verbunden blieben. Die Differenzierung bei den metallverarbeitenden Gewerben war in den Orten besonders ausgeprägt, in deren Nähe Erzvorkommen lagen. Unter den sich spezialisierenden Handwerken waren es vor allem die Schlosser (Kleinschmiede), die versuchten, sich aus dem Verband der Schmiede zu lösen und eigene Zünfte zu bilden.

Wie schon in der Berufsbezeichnung zum Ausdruck kommt, zählte die Anfertigung von Schlössern zu den Hauptaufgaben der Schlosser. Zwei Arten von Schlössern, Vorhängeschlösser sowie Tür- und Truhenschlösser, stellten sie her. Das Vorhängeschloss hat sich im Verlauf der Jahrhunderte nur wenig verändert. Größere Veränderungen gab es bei Tür- oder Behälterschlössern. Vom Mittelalter bis zum Beginn des 18. Jahrhunderts wurde die „Schlossfalle“ verwendet. Sie schnappte beim Zufallen der Tür selbstständig ein und konnte durch einen Drehschlüssel wieder geöffnet werden. Schlösser von Geldtruhen hatten mehrere, nach verschiedenen Seiten ausgreifende schließende Fallen. In das erste Viertel des 18. Jahrhunderts fällt die deutsche Erfindung des Riegel- oder Zuhaltungsschlosses (Tourenschloss, fälschlich auch französisches Schloss genannt). Die auf dem Riegel ruhende Zuhaltung ist ein Bügel, der die Verschiebung des Riegels verhindert, das Schloss also zuhält, es sei denn, es wird durch die Drehung des Schlüsselbartes angehoben.

Die Anfertigung von Schlössern und Schlüsseln unterlag gewissen Beschränkungen. Der Auftrag zur Herstellung eines Schlosses und vor allem zum Nachmachen eines Schlüssels durfte nur vom Hausherrn ausgehen.

Mit der zunehmenden maschinellen Produktion von bisher handwerklich produzierten Schlosserwaren brachte das 19. Jahrhundert einen grundlegenden Wandel. Gegossene und getemperte Schlossteile verdrängten die handwerklich ausgeschmiedeten Schlossteile. Schlosskästen konnten mit Werkzeugmaschinen rationeller gefertigt werden. Handarbeit war hier nur noch das Nacharbeiten einzelner Teile. Bereits Ende des 19. Jahrhunderts hatte das Schlosserhandwerk seine Produktionsfunktion weitgehend verloren.

Tätigkeiten eines Schlossers

Der Eintritt ins Handwerk war mit einer Reihe von Bedingungen verknüpft. Stets wurde jedoch gefordert, dass der Lehrling männlichen Geschlechts, ledig und unbescholten war. Wer von „unredlichen Leuten“ abstammte, konnte nicht aufgenommen werden. Das Aufnahmealter lag durchschnittlich bei 14 Jahren und die Lehrzeit schwankte zwischen zwei und sechs Jahren. Die anschließende Wanderzeit sollte zwischen zwei und sechs Jahren betragen. Im 16. Jahrhundert konnte sich der Schlossergeselle in der Regel nach zweijähriger Wanderzeit um die Meisterschaft bewerben. Seit der Mitte des 15. Jahrhunderts hatte ein angehender Meister seine Befähigung in Form einer Meisterprüfung nachzuweisen. In der Regel musste der Kandidat ein oder mehrere Schlösser anfertigen.

Seit dem Ausgang des Spätmittelalters stand den Schlossern das für ihre Arbeiten erforderliche Material in Form von Stabeisen, Blechen und Drähten zur Verfügung. Neben den Schlössern wurde eine Vielzahl für Haus und Haushalt notwendige Gegenstände und Geräte angefertigt, wie etwa Angeln und Bänder für Türen, Öfen, Wasserpumpen, Treppengeländer, Kaminabdeckungen, Bratpfannen und Kaffeemühlen.
Für seine Arbeit musste der Schlosser eine Reihe von Techniken beherrschen. Das rotglühende Eisen wird mit Hammerschlägen gestreckt, d. h. gedehnt und verbreitert. In umgekehrter Weise kann mit dem Stauchen eine Verdickung des senkrecht gegen den Amboss gehämmerten Werkstücks erreicht werden. Der Eisenstab wird über eine Kante gebogen und durch Drehung um seine eigene Achse spiralförmig verändert. Durch Treiben werden Bleche mit dem Treibhammer modelliert. Runde Gegenstände fertigt man durch Schmieden im Gesenk, einer modellartigen Vertiefung, in die das Eisen gehämmert wird. Durch Vernieten lassen sich Metallteile fest oder drehbar verbinden. Beim Löten werden Metallteile durch flüssig gemachtes Metall (Lot) verbunden. Die Feinbehandlung der Metalloberfläche erfolgt auf verschiedene Weise. Durch Punzieren werden mit einem stempelförmigen Meißel Muster eingeschlagen. Im 16. Jahrhundert hat man häufig die Technik des Ätzens angewandt. Auf chemischem Wege kann dabei ein geschmiedetes und blank geschliffenes Eisen verziert werden. Beim Ziselieren werden die Oberflächen mit Punzen und Meißeln behandelt. Beim Tauschieren schlägt man weiche Metalldrähte oder kleinste Teile von Edelmetallen in entsprechend geschaffenen Vertiefungen. Beim Stahlschnitt (Eisenschnitt) erfolgt die plastische Ausarbeitung geschmiedeter, gegossener oder getriebener Metallteile mit Stichel, Meißel und Feile.

Als hauptsächliche Werkzeuge benutzte der Schlosser Amboss, Gesenke, Hammer, Schraubstock, Meißel, Zange, Feile und Bohrer. Als Hilfsmittel für schwierig zu formende Gegenstände wurden Stempel, Punzen und Grabstichel gebraucht. Auch Messinstrumente wie Winkel, Zirkel, Schablone und Zollstock wurden benötigt.

Werkzeuge eines Schlossers

Quellen
  • Autor: Albert Bartelmeß
  • Brockhaus Konversationslexikon, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896, Bd. 16, S.1037
  • Lexikon des alten Handwerks, C.H. Beck München
  • Handwerkszeug und bäuerliches Arbeitsgerät in Franken, Verlagsdruckerei Schmidt, Neustadt a.d. Aisch