Tischler

Ein Handwerk aus der Holz Branche

Entwicklung des Tischler-Handwerks

Unter den „alten“ Handwerkern zählen die Schreiner und Tischler zu den jüngeren und die bis heute noch nicht vereinheitlichte Bezeichnung ist letztlich Folge dieser späten Geburt, oder vielmehr Wiedergeburt, denn bereits die Antike besaß eine hoch entwickelte Möbelbaukunst. In den neu entstehenden germanischen Reichen begnügten sich die Herrschenden mit einer bescheidenen Inneneinrichtung. Während des Frühmittelalters stellten Zimmerleute relativ bescheidene Möbel her, die folglich verkleinerte Zimmererarbeiten darstellten. Dies änderte sich spätestens seit dem 12. Jahrhundert mit der Übernahme und Entwicklung der aus Holz sorgfältig gezimmerten Stube im nordwesteuropäischen Wohnstil. Durch neue Geräte und Konstruktionsprinzipien vermochte sich die Schreinerei von den vorhandenen holzverarbeitenden Berufen zu emanzipieren, getragen von der Nachfrage nach eleganterem Interieur und neuen Verwahrmöbeln des Patriziats und des gehobenen Bürgertums der aufstrebenden Städte. Charakteristisch für die neuen Möbel in Rahmen-Füllungs-Bauweise war, dass die ungegliederten großen Brettflächen, die ehemals als tragende Bestandteile der Konstruktion entsprechend dick sein mussten, nun nur noch „raumabschließend“ zwischen die stärkeren Rahmenhölzer eingenutet wurden. Obwohl im 15. Jahrhundert bereits mehrere größere Städte eigene Zusammenschlüsse des „neuen“ Handwerks besaßen, erhielt sich, da diese ihren Namen zunächst vom wesentlichen Produkt ableiteten, eine beträchtliche Namensvielfalt. In Lübeck gab es z.B. Zahltischmacher, Vertäfelungsmacher, Truhenmacher, Zimmerleute, Kistler oder Kleinschnittker. Auf Dauer etablierte sich im Osten des deutschen Sprachraums der „Tischler“, während der Name „Schreiner“ sich im Westen und Süden durchsetzte.

Insbesondere seit der Wiederentdeckung der antiken „Säulenordnung“ im 16. Jahrhundert und der Anwendung dieser Proportionslehre auf die Gestalt der Möbel erfolgte eine weitere Abgrenzung zum universelleren Handwerker. So gewann als zusätzliche Holzverbindung die Verwendung von Leim für Möbel- und Innenausbau eine entscheidende Bedeutung. Damit war es möglich, bei der Konstruktion auf sichtbare Nagelung oder Keile zu verzichten und Stoßfugen zu verdecken. Dies wurde vor allem für die Verarbeitung von Edelhölzern wichtig, die als dünne Oberfläche, als Furniere, auf preiswerte Unterhölzer geleimt wurden.

Tätigkeiten eines Tischlers

Da die Masse der Schreiner in den Kleinstädten und auf dem Land das Holz, das sie brauchten, sich oftmals selbst beschaffte, gehörte die Zurichtung der Stämme zu Brettern und Bohlen mit zu ihrem Aufgabengebiet, für das die entsprechenden Beile, Äxte und Sägen vorhanden sein mussten. Andererseits war für den Schreiner eine Werkstatt unabdingbar. Hier stand als passives Gerät die Hobelbank, deren Entwicklung zur auch heute noch gültigen Form bereits im 18. Jahrhundert abgeschlossen war. Hingegen gehörten die einfachen Hobel, der grobarbeitende Schrupphobel, die für ein Planum sorgende lange Rauhbank und der Schlichthobel überall zum Gerätebestand fast aller Holzhandwerke. Nut- und Federhobel, Dielenhobel und Falzhobel zählen wiederum einschließlich der Handsägen, wie Fuchsschwanz und Spannsäge sowie die Knebelbohrer und Bohrwinden zur Ausrüstung von Schreiner und Tischler. Ausgesprochenes Schreinerwerkzeug waren jedoch alle Geräte, die im Zusammenhang mit der Leimarbeit, vor allem mit Furnierwerk zu tun hatten. Da der Leim eine bestimmte Verarbeitungstemperatur brauchte, die nicht unterschritten werden durfte, verlangte dieser Bereich nicht nur eine überdachte sondern eine beheizte Werkstätte. Leimarbeit bestimmte auch die eigene Form des Schreinerhammers, der eine breite feste Finne (das schmale Vorderteil des Hammerkopfes) hatte, um damit das Furnier auf das tragende Blindholz aufdrücken zu können. Die gehobene Möbelproduktion verlangte außerdem noch eine Vielzahl von Profilhobeln, ebenso eine Anzahl von profilierten Stech- und Stemmeisen.

Die leichte Bearbeitung des Werkstoffs Holz bot die Möglichkeit einer begrenzten Mechanisierung schon vor der Motorisierung der Betriebe. Kreissägen, Bandsägen, Fräsen zum Profilieren und Zapfenschneiden sowie Hobel und Bohrmaschinen wurden bereits im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts von Maschinenfabriken angeboten und auch dort Eingesetzt, wo keine Dampfkraft zur Verfügung stand, da ein Betrieb mit Fußpedal oder Handkurbel möglich war.

Werkzeuge eines Tischlers

Quellen
  • Autor: Hermann Kaiser
  • ARD Mediathek, Handwerkskunst
  • Brockhaus Konversationslexikon, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896, Bd. 16, S.1037
  • Lexikon des alten Handwerks, C.H. Beck München
  • Handwerkzeug und bäuerliches Arbeitsgerät in Franken, Verlagsdruckerei Schmidt, Neustadt a.d. Aisch
  • Geschichte des Handwerks, Edition XXL GmbH, Fränkisch-Crumbach, 2019