Entwicklung des Uhrmacher-Handwerks
Der Wunsch, einen Tag in messbare Zeitabschnitte zu gliedern, war bereits bei den Händlern im alten Ägypten vorhanden. Sie definierten Tageszeitpunkte anhand der Länge ihrer eigenen Schatten und legten so Zeiten für Verabredungen fest. Aus dieser Methode heraus entstanden dann die Sonnenuhren.
Von richtiger Zeitmessung kann man bei den seit der Antike bekannten Wasseruhren sprechen. Die Römer lösten mit ihnen ein Problem, das auch heute noch aktuell ist, die Begrenzung der Redezeit bei Versammlungen. Die römischen Wasseruhren waren Tongefäße mit einem kleinen Loch im Boden, ähnlich Blumentöpfen. Aus diesen ließ man langsam Wasser rinnen und am Wasserstand der Restmenge konnte man die verflossene Zeit ablesen. Die Genauigkeit dieser damaligen Uhren war allerdings nicht besonders groß. Bis ins Mittelalter waren Wasseruhren die vorherrschenden Zeitmesser. Eine Revolution in der Zeitmessung waren die ersten mechanischen Turmuhren mit einem Zeiger, die 1284 und 1288 in England in Betrieb genommen wurden. Damit begann die Einteilung des Tages in zwei Mal zwölf Stunden. Einen zweiten Zeiger hatten die ersten Uhren noch nicht. Nur wenige Jahre später wurde die vielleicht wichtigste Erfindung eingeführt, der Antrieb mit einem schweren Gewicht und die sogenannte Hemmung, mit deren Hilfe die Energie des sinkenden Gewichts in kleinen, wohl dosierten Einheiten an das Uhrwerk übergeben werden konnte. Dies war die Voraussetzung für einen gleichmäßigen Lauf des Uhrwerks.
In der Mitte des 15. Jahrhunderts wurden Uhren transportfähig. 1451 baute Jean Liebure in Paris die ersten Reiseuhrwerke. 1509 erfand Peter Henlein die Taschenuhr.
Mit zunehmender Genauigkeit der Uhren wurde auch die Anzeige verfeinert. Zunächst zeigte man, um 1550, auf einem gesonderten Zifferblatt die Viertelstunden an. Dann wurde 1573 der Minutenzeiger eingeführt. Rund 200 Jahre später kam dann der Sekundenzeiger hinzu.
Die Zeit bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts war die Blütezeit der Uhrmacherkunst. Es entstanden sowohl mechanisch als auch künstlerisch wahre Wunderwerke.
Mit der industriellen Massenproduktion, die um 1860 einsetzte, wurde die Uhr zum billigen Gebrauchsgut und die handwerkliche Herstellung wurde weitgehend zurückgedrängt. Aber gerade durch diese Entwicklung wurde die feine mechanische Uhr als Luxusartikel wieder entdeckt, den man nicht braucht, um die Zeit abzulesen, sondern weil man die Schönheit dieser Uhren und die handwerkliche Kunst ihrer Hersteller schätzt.

Tätigkeiten eines Uhrmachers

Werkzeuge eines Uhrmachers
Quellen
- Autor: Dr. Peter Albrecht
- ARD Mediathek, Handwerkskunst
- Brockhaus Konversationslexikon, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896, Bd. 16, S.1037
- Geschichte des Handwerks, Edition XXL GmbH, Fränkisch-Crumbach, 2019

